257. LEOPOLD MOZART AN SEINE FRAU, SALZBURG

Mayland den 24 oder 23 Nov: 1771
Wir sind noch hier, und werden vermuthlich noch 8 täge hier verbleiben, indem der Erzherzog erst am dienstag von Varese zurück kommt und dann mit uns sprechen wird. Nichts destoweniger werden wir, wenn Gott will unter den ersten 14 tägen des Decembers in Salzb: eintreffen: indem wir, wenn wir uns auch unterwegs aufhalten, in 8 Tägen von hier nach Salzb: kommen. Wir sind Gott Lob gesund: dein zukünftiges schreiben addreßiere nur noch nach Verona, und ich glaube es wird das letzte seyn, wen du nicht unterdessen noch einen andern Brief von mir bekommst. wir haben hier immer kaltes, aber sehr schönes wetter; und es hat viele zeit nicht geregnet. H: Marcobruni, in dessen Zimmer ich dieses schreibe, empfehlt sich euch, wie auch beyde H: v Troger, Mr: und Madme D`asté. heut war H. Misliwetschek bey uns, der gestern angekommen, und die erste opera schreibt. H: von Mayr und H: de Chiusolis empf: sich auch. wir kommen oft zusammen, und gestern machten wir eine starke Musik bey H: von Mayer. Wir empf. uns allen guten freunden und freundinen, wir kissen euch 100000 mahl und bin Dein alter
Mozart

NACHSCHRIFT MOZARTS AN SEINE SCHWESTER

Allerliebste schwester!
Der hr. von älfen ist zu Mayland, und ist immer der nähmliche wie er zu Wien und zu Paris ware. noch etwas neues weiß ich: der H: manzoli der sonst von allen leuten als der gescheideste under denn Castraten angesehen und gehalten worden, hat in seinen alten tägen ein stück seiner unvernunft und hoffahrt gezeigt. er war für die opera mit 500 Cigliati beschriben, und, weillen nichts von der serenata in der scrittura gemeldet worden, so hat er für die serenata noch 500 cigliati haben wollen also 1000 cigliati. Der hof hat ihm nur 700 und eine schöne goldene Tosen gegeben, |: ich glaube es wäre genug :| er aber als ein Castrat hat die 700 cigl: samt goldener tosen zurück geben, und ohne nichts weggereiset: ich weis nicht was für ein ende diese histori nehmen wird. ich glaub ein übles. sonst weis ich nichts. meinen handkus an die mama. empfehlungen an alle gute freünde und freündinen. addio. lebe wohl. ich bin dein wahrer getreuer bruder
Wolfgang