231. LEOPOLD MOZART AN SEINE FRAU, SALZBURG

Venedig, 13. Februar 1771

Wegen dem üblen Wetter und erstaunlichen Wind sind wir erst am Faschingsmontag in der Früh in Venedig angelangt, nachmittags versuchten wir, den Herrn Wider anzutreffen, der uns dann samt seiner Frau in die Oper begleitete. Den Faschingsdienstag speisten wir mittags bei ihm, gingen in die Oper, die um 2 Uhr anfing und gegen 7 Uhr abends aus war, dann aßen wir zur Nacht bei ihm und zwischen 11 und 12 Uhr in der Nacht deutscher Uhrzeit waren wir auf dem Markusplatz, um auf den Maskenball zu gehen, und sagten zueinander, dass ihr jetzt vielleicht bei Herrn Hagenauer sein und Euch nicht einbilden werdet, dass wir auf dem Markusplatz von Euch sprechen werden. Es war das abscheulichste Regenwetter, heute aber, am Aschermittwoch, ist das schönste Wetter. Wir sind gottlob wohlauf. Wen vermeinst Du wohl, dass wir in Brescia angetroffen [haben]? -- -- Wir gingen in die Komische Oper dort und fanden die Frau Angeliga Maggiore als erste Sängerin, die mit einem Tenor verheiratet ist, der auch dort sang. Sie war ganz erstaunt, uns zu sehen. Sage dem Herrn Spizeder, wenn er seinen ehemahligen Impresario Crosa sehen will, kann er ihn in Mayland antreffen, wo er elend gekleidet mit einem langen Bart betteln geht. Also straft Gott die Betrüger! Dass der Carattoli und Laschi gestorben [sind], wirst Du gehört haben.
Deinen Brief hier habe [ich] erhalten samt dem Briefchen von Herrn von Vogt.
Lebt wohl, ich muss eilen. Wir küssen Euch 100000 Mal und [ich] bin
der alte Mozart mp

Herr Wider, der ehrliche Mann, samt seiner Frau und Töchter empfehlen sich. Unsere Empfehlung an ganz Salzburg

NACHSCHRIFT MOZARTS AN SEINE SCHWESTER

Allerliebste Schwester!
Dass ich gesund bin, wirst Du schon von meinem Papa erfahren haben. Ich weiß nichts zu schreiben als meinen Handkuss an die Mama. Lebe wohl.

NACHSCHRIFT MOZARTS AN JOHANN NEPOMUK HAGENAUER

An den Herrn Johannes
Die steinreiche Frau Perle empfiehlt sich Ihnen sehr, so wie auch die anderen Perlen, und ich versichere Ihnen, dass sie alle in Sie verliebt sind und hoffen, dass Sie sie alle heiraten werden wie die Türken, um alle sechs zufriedenzustellen. Dieses schreibe ich im Hause des Herrn Wider, der ein Ehrenmann ist, wie sie mir es geschrieben haben und gestern haben wir den Karneval bei ihm beschlossen, indem wir bei ihm zu Abend gegessen haben und dann haben wir getanzt und sind mit den Perlen in Gesellschaft zur Neuen Redoute gegangen, die mir sehr gefallen hat. Wenn ich bei Herrn Wider bin und aus dem Fenster schaue, sehe ich das Haus, wo Sie gewohnt haben, als Sie in Venedig ware. Neues weiß ich nichts. Venedig gefällt mir sehr.
Mein Kompliment an Seinen Herrn Vater und Seine Mutter, Schwestern und Brüdern und an alle meine Freunde und Freundinnen. Leben Sie wohl.
Wolfgang Amadeus