208. WOLFGANG AMADEUS MOZART AN THOMAS LINLEY, FLORENZ

Lieber Freund.
Endlich, hier ist ein Brief von mir! Ich komme sehr spät, um auf Ihren sehr freundlichen, mir nach Neapel geschickten Brief zu antworten, den ich jedoch erst zwei Monate, nachdem Sie ihn mir geschrieben hatten, erhalten habe. Der Plan meines Vaters war, die Straße von Loreto nach Bologna zu nehmen, von dort über Florenz, Livorno und Genua nach Mailand und Ihnen dadurch eine Überraschung zu bereiten, indem wir unerwartet in Florenz ankommen. Aber mein Vater hatte das Unglück, dadurch, dass das Stangenpferd der Postkutsche gefallen ist, sich am Schienbein eine schwere Verletzung zuzuziehen. Die Verletzung zwang ihn nicht nur, drei Wochen im Bett zu bleiben, sondern hielt ihn auch sieben Wochen in Bologna auf; dieser hässliche Unfall zwingt uns, den Plan zu ändern und über Parma nach Mailand zu gehen.
Erstens haben wir die Zeit verloren, diese Reise zu machen, und zweitens ist jetzt nicht die Zeit, sie zu machen (jetzt wo alle Welt auf dem Land ist) und sich auch die Reisekosten zu verschaffen. Seien Sie versichert, dass uns dieser Unfall unendlich leid tut. Ich würde alles Mögliche tun, um das Vergnügen zu haben, meinen teuren Freund zu umarmen, und mein Vater, vereint mit mir, hätte den größten Wunsch, Herrn Gavard und seine sehr liebe und freundliche Familie wiederzusehen sowie auch die Frau Corilla und den Herrn Nardini und dann nach Bologna zurückzukehren, wenn es eine sichere Hoffnung gäbe, die Reisekosten herauszuholen.
Was die verlorenen Drucke betrifft: Mein Vater hat daran gedacht, Ihnen zu dienen und Ihre Nachricht ist rechtzeitig angekommen, um zwei davon zu erhalten. Beehren Sie mich bitte bald mit einer Nachricht, wie wir sie Ihnen zukommen lassen können.
Erhalten Sie mir Ihre teure Freundschaft und glauben Sie auch, dass ich immer mit unveränderlicher Zuneigung bin und bleibe Ihr untertänigster Diener und sehr zugetaner Freund
Amadeus Wolfgang Mozart

NACHSCHRIFT LEOPOLD MOZARTS

Genehmigen Sie, allen unseren Freunden und Freundinnen unsere Komplimente zu machen. Leopold Mozart