206. LEOPOLD MOZART AN SEINE FRAU, SALZBURG

Bologna, den 1. September 1770.

Mein Schreiben vom 25. August wirst Du richtig erhalten haben. Nicht nur sind wir noch bei Seiner Exzellenz Graf Pallavicini auf dem Lande, sondern wir werden allem Ansehen nach noch einige Zeit hier bleiben und dann gerade von hier über Parma nach Mayland gehen.
Es ist mir sehr leid, dass [ich] Livorno nicht sehen kann. Dann Genua zu sehen, bleibt mir noch einige Hoffnung übrig, wenn wir Zeit haben und mir die Lust kommt, kann es von Mayland aus geschehen. Mein Fuß hat mich so lange in Bologna zurückgehalten und jetzt kommt die Zeit, wo man an die Rezitative etc. der Oper und nicht an eine lange Reise und Aufenthalt an verschiedenen Orten denken muss, denn wenn man in Bewegung ist, von einem Ort an den anderen zu reisen, lässt sich nichts machen, man hat wenig oder gar keine Zeit. Überdies ist jetzt die Jahreszeit, wo alles auf das Lande geht und die Herrschaften nicht in der Stadt sind. Wir werden also etwas und vielleicht einen Monat früher in Mayland eintreffen, als wir schuldig sind. Schreibe Du inzwischen nur immer nach Bologna.
Den 30. hat uns Seine Exzellenz in die Stadt führen und dort durch einen seiner Bedienten und mit seiner Kutsche bedienen lassen, um das Amt und die Vesper der Philharmonischen Akademie zu hören, welche von zehn verschiedenen Meistern komponiert wurden; nämlich einer hatte das Kyrie und Gloria, ein anderer das Credo etc., und so war jeder Psalm der Vesper von einem anderen Kapellmeister etc., jeder schlug den Takt seiner Komposition; es mussten aber lauter Mitglieder der Akademie sein. Mittags speisten wir bei Herrn Brinsechi, welcher uns sehr herrlich bediente. [ich] bitte solches nebst meiner Empfehlung, bei Herrn Kaufmann Hafner anzurühmen. Wir haben sehr mildes Wetter und die Hitze ist vorbei. Vor einigen Tagen war ein Donnerwetter und ein erstaunlicher Regen und sehr schwül, dass man kaum atmen konnte, dies war auch der Kehraus der Hitze. Es ist mir sehr traurig zu vernehmen, dass es in Salzburg immer teurer wird. Was wird denn endlich mit uns allen werden, die wir von der monatlichen Besoldung leben müssen? -- -- -- Und Kurbayern will einen Erzbischof in München haben? - - Welche Einfälle! -- -- Und wer soll dieser sein? -- Vermutlich der Bischof von Freysing? -- -- Denn sonst müsste der Kurfürst auf Mittel bedacht sein, einem neuen Erzbischof Einkünfte zu verschaffen; und wo solche nehmen, ohne einem anderen abzustehlen? -- -- Die Zusammenschau derjenigen Meinungen oder Urteile, die die Universität in Wienn festgesetzt [hat], wird in Salzburg längst bekannt sein. -- --
Viele Sachen werden dem römischen Hof nicht besonders gefallen. Besonders da sie festsetzen, dass das Konzil mehr als der Papst ist, dass ist so viel, als dass der Papst nicht unfehlbar ist. Wir leben in einem Jahrhundert, in welchem, wenn wir noch einige Zeit leben, [wir] viel Neues hören werden.
Der Wolfgang hat die lange Berichterstattung der Nannerl mit Freuden gelesen, er kann nicht schreiben, indem er mit Seiner Exzellenz der Gräfin ausgefahren [ist] und ich wegen dem Briefschreiben zu Hause geblieben [bin], indem [ich] auch noch nach Mayland zu schreiben habe.
Ich muss demnach schließen. Wir küssen Euch beide 1000 Mal und ich bin der alte
Leop Mozart mp

Unsere Empfehlung an alle Freunde und Freundinnen in und außer dem Hause.