181. LEOPOLD MOZART AN SEINE FRAU, SALZBURG

Rom, den 28. April 1770.

Den 25. habe [ich] an Seine Hochfürstliche Gnaden geschrieben und hoffe, der Brief wird richtig angelangt sein. Von Herrn Eybeck habe [ich] noch nichts gesehen, obwohl [ich] den Brief von Seiner Exzellenz Obersthofmeister schon vor acht Tagen erhalten [habe], und [er] selber mir schreibt, ich werde das Schreiben vom Herrn Eybeck hoffentlich schon erhalten haben.
Du kannst nun allzeit gleich nach Rom schreiben, und [es] wird Herr Marcobruni mir die Brief richtig nach Neapl nachschicken.
Übrigens, man muss aber setzen: "per Mantova à Roma"*.
Es ist noch immer kalt, nicht wie in Salzburg, aber auch nicht warm, wie es in Rom sein soll. Nämlich immer kalte Winde und trübe Wolken; sobald aber die Sonne sich sehen lässt, so ist es sehr warm. Wir waren bei der Prinzessin Barbarini, wo wir den Prinz Xaveri von Sachsen, auch den Prätendenten oder sogenannten König von England und den Kardinal Pallavicini abermals und unter anderem einen Kavalier angetroffen [haben], der uns von Paris gekannt [hat]. Heute fanden wir beim Botschafter von Malta einen Kavalier, der uns von Wienn kennet, den schwedischen Gesandten, der uns in London gesehen, und den Grafen von Wallerstein.
Morgen hat uns der Herzog von Bracciano zur Akademie des Herzog von Altems eingeladen. Montags speisen wir bei den Augustinern von demjenigen Orden wie zu Salzburg, wo auch der General sein wird.
Am Dienstage speisen wir auf einem Landgut, wo ein kleines Pferdchen ist, es ist aber gar klein und fromm.
Den 12. Mai werden wir mit dem Postboten, mit Gottes Hilfe, nach Neapl abreisen, wo wir schon eine Wohnung haben bestellen lassen.
Die Wege waren seit 14 Tagen nach Neapl sehr unsicher, und [es] ist ein Kaufmann totgeschlagen worden; man hat aber von Rom sogleich die Häscher und die blutdürstigen päpstlichen Soldaten hinausgeschickt und man vernimmt, dass bereits ein Kampf gewesen [ist], wo fünf Häscher und drei Räuber tot geblieben [sind], vier Räuber sind gefangen, die übrigen zerstreut worden. Sie haben sich aber jetzt näher an die Neapolitanischen Grenzen gezogen; und wenn es wahr ist, dass die Räuber einen Neapolitanischen Kurier, der nach Spanien gehen sollte, totgeschlagen [haben], so wird man von Neapel aus alle Mühe anwenden, die Straßen zu reinigen. Ich gehe von hier nicht weg, bis ich nicht weiß, dass es sicher ist, und mit dem Postboten ist man in einer großen Gesellschaft. Dieser Tage bekam ich in der Nacht einen starken Durchfall; ich ging den Morgen darauf selbst in die Apotheke und ließ mir eine Rhabarbertinktur machen. Nun ist es besser, und [es] war dieses Abweichen sehr für meine Gesundheit gut. Der Wolfgang befindet sich gottlob gesund, nur hat er ein wenig Zahnweh wie gewöhnlich auf einer Seite.
Wir sind in Rom bei dem Kurier Steffano Uslenghi in der Wohnung und, wie ich Dir geschrieben habe, bei sehr guten Leuten, die uns alles tun, was sie uns in den Augen ansehen.
Ihr Herr ist nach Portugal auf der Reise, folglich [sind] nur die Frau und ihre Tochter (wie die Nannerl) zu Hause.
Eine schöne Wohnung, gutes Haus und Leute, die gut stehen. Wieviel hundertmal wünscht die Frau, dass Du und die Nannerl kommen.
Sie empfehlen sich Euch beiden wie auch Herr Marcobruni.
Ich vermute Herr Brinsechi von Bologna wird wohl auch etwas von uns an Herrn Hafner (dem wir uns empfehlen) geschrieben haben. Mache unsere Empfehlung an alle guten Freunde und Freundinnen. Wir küssen Dich und die Nannerl 1000 Mal und [ich] bin Dein alter
Mzt mp.

NACHSCHRIFT MOZARTS

Meine Schwester küsse ich ins Gesicht und der Mama die Hände: Ich habe noch keine Skorpione und Spinnen gesehen, man redet und hört gar nichts davon. Die Mama wird wohl meine Schrift kennen, schreibt die Mama mir´s gschwind, denn sonst setze meinen Namen darunter.

*["über Mantua nach Rom"]