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<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI.2><teiHeader><fileDesc> <titleStmt><title>In Mozart's Words (The letters from Italy): Letter 170</title> <respStmt> <resp>Annotations: Cliff Eisen, King's College, London</resp> <resp>XML-tagging of citations in the text: Claudia Pignato e Patrizia Rebulla, Castaliamusic</resp> <resp>Conversion to TEI XML: Michael Pidd, Humanities Research Institute, University of Sheffield</resp> <resp>Full credits available at: http://letters.mozartways.com</resp> </respStmt> </titleStmt> <publicationStmt> <publisher>Humanities Research Institute, University of Sheffield</publisher> <pubPlace>Sheffield, United Kingdom</pubPlace> <date>2011</date> <availability><p>This transcription can be freely distributed for non-commercial purposes on condition that it is accompanied by this header information identifying its origin and authors. Permission must be received for subsequent distribution in print or for commercial uses. Please go to https://www.dhi.ac.uk for more information.</p></availability> </publicationStmt> </fileDesc> <encodingDesc> <projectDesc> <p>Funder: EU Culture Programme (2007-2013)</p> <p>Project Team: Maria Majno (Europaische Mozart Way Ee.V); Cliff Eisen (King's College London - Dept of Music); Patrizia Rebulla (Comune di Milano - Settore Cultura) Stadt Augsburg - Kulturburo; HRI Digital, Humanities Research Institute (Univ. of Sheffield)</p> <p>Annotations: Cliff Eisen, King's College, London</p> <p>XML-tagging of citations in the text: Claudia Pignato e Patrizia Rebulla, Castaliamusic</p> <p>Conversion to TEI XML: Michael Pidd, Humanities Research Institute, University of Sheffield</p> <p>Full project credits available at: http://letters.mozartways.com</p> </projectDesc> </encodingDesc> <profileDesc> <langUsage id="deu"> <language>deu</language> </langUsage> </profileDesc></teiHeader><text><body><div type="letter"><div type="header"><hi rend="bold">170. <name type="person" id="2614" ref="3751">LEOPOLD MOZART</name> AN SEINE <name type="person" id="2615" ref="3753">FRAU</name>, <name type="place" id="2616" ref="47">SALZBURG</name></hi></div><div type="date-and-place"><lb/>À Madame / Madame / <name type="person" id="2617" ref="3753">Marie Anne Mozart</name> / à <hi rend="underline"><name type="place" id="2618" ref="47">Salzbourg</name></hi></div><lb/> <name type="place" id="2619" ref="79">Bologna</name> den 24 Martij <hi rend="underline">1770</hi><lb/><lb/>Heute sind wir in <name type="place" id="2620" ref="79">Bologna</name> angelangt, und auch dein letztes schreiben, so wir auf der Post alda gefunden; weil es H: <name type="person" id="2621" ref="4074">Troger</name> nebst einigen anderen Briefen, die uns Se: Ex: Gr: <name type="person" id="2622" ref="1836">Firmian</name> nachgeschickt, <ref type="footnote" id="fn0" n="1"></ref> dahin übermacht hat. wir sind Gott Lob, gesund, und leben der Hofnung, Gott werde uns gesund erhalten. wir werden über 4 täg nicht hier verbleiben: eben so in <name type="place" id="2623" ref="95">Florenz</name> etwa 5 oder 6 täg. folglich sind wir mit Gottes Hilfe in der Charwoche längstens Dienstags oder Mittwochs in <name type="place" id="2624" ref="129">Rom</name>, und sehen sicher die Functiones am Grünen Donnerstag etc: etc:<lb/>Ich habe von <name type="place" id="2625" ref="97">Parma</name> aus an Se: Ex: <name type="person" id="2626" ref="1833">Obersthofmeister</name> geschrieben, und mich so wohl wegen der Gnaden, die wir im <name type="person" id="2627" ref="1829">Firmian</name>ischen hause genossen, bedanket, als auch gebetten <name type="person" id="2628" ref="4078">Sr: hochf: gden</name> zu hinterbringen, daß der Wolfg: die <name type="work" id="2629" ref="385">opera</name> in <name type="place" id="2630" ref="89">Mayland</name> schreiben solle, und um die Erlaubniß zu bitten. Heute habe von hier mit dieser Post an <name type="person" id="2631" ref="4078">Se: Hochf: gden</name> geschrieben, meinen gehors: unterthsten Glückwunsch zum höchsten Wahltag abgelegt, und gleichfals wegen der <name type="work" id="2632" ref="385">opera</name> um die Erlaubniß gebetten. Erkundige dich demnach, ob diese beyden Briefe richtig angelanget sind, oder nicht. <ref type="footnote" id="fn1" n="2"></ref> Die Scrittura, oder der schriftliche Contract ist schon gemacht, und gegen einander ausgewechselt. Es kommt demnach nur auf die Erlaubniß <name type="person" id="2633" ref="4078">Sr: Hf: Gden</name> an. der Contract ist im Graf <name type="person" id="2634" ref="1836">Firmian</name>ischen hause gemacht worden, und bekommen wir <hi rend="underline">100 Cigliati</hi> und <hi rend="underline">freye Wohnung</hi>. die <name type="work" id="2635" ref="385">opera</name> fängt in den Weinachtfeyrtagen an. <ref type="footnote" id="fn2" n="3"></ref> die Recitativ müssen im october nach <name type="place" id="2636" ref="89">Mayland</name> geschickt werden, und den 1 Novemb: müssen wir in <name type="place" id="2637" ref="89">Mayland</name> seyn, daß der Wolfg: die Arien schreibt. die prima und 2da Donna sind La Sgra. <name type="person" id="2638" ref="2018">Gabrielli</name> und ihre <name type="person" id="2639" ref="2019">schwester</name>. der Tenor ist il Sgr: <name type="person" id="2640" ref="1680">Ettore</name>. dermahl il Cavaliere Ettore, weil er einen gewissen orden tragt. der primo huomo und die übrigen sind noch nicht bestimmt, Es kann seyn, daß <name type="person" id="2641" ref="3870">Manzoli</name> singt. die Sgra <name type="person" id="2642" ref="2018">Gabrielli</name> ist in ganz Italien als eine erstaunliche Hochmütige Närrin bekannt, die, nebst dem, daß sie all ihr geld verschwendet die närrischeste Streiche macht. wir werden sie auf dem Weege in <name type="place" id="2643" ref="129">Rom</name> oder <name type="place" id="2644" ref="61">Neapel</name> antreffen, sie kommt von <name type="place" id="2645" ref="137">Palermo</name>; und dann werden wir sie wie eine Konigin ehren und recht hoch erheben, mit diesem kann man sich in grosse Gnaden setzen. In <name type="place" id="2646" ref="97">Parma</name> hat uns die Sgra <name type="person" id="2647" ref="37">Guari</name> oder so genannte <name type="person" id="2648" ref="37">Bastardina</name> oder <name type="person" id="2649" ref="37">Bastardella</name> zum speisen eingeladen, und hat uns 3 Arien gesungen. daß Sie bis ins c Sopraacuto solle hinauf singen, war mir nicht zu glauben moglich: allein die ohren haben mich dessen überzeuget. die Passagen die der Wolfg: aufgeschrieben, <ref type="footnote" id="fn3" n="4"></ref> waren in ihrer Arie, und diese sang sie zwar etwas stiller als die tiefern Töne: allein so schön, wie ein octavin pfeifen in einer Orgel. kurz! die triller und alles machte sie so, wie es der wolfg: hat aufgeschrieben, es sind die näml: sachen von Noten zu Noten. nebst dem hat sie eine gute alt tiefe bis ins g. Sie ist nicht schön, doch eben auch nicht garstig, hat mit den Augen zu zeiten einen wilden Blick, wie die Leute, die der fraiß unterworffen sind, und hincket mit einem fuß. sonst hat sie aber eine gute Aufführung, folglich einen guten Caracter und guten Nahmen.<lb/>Se: Ex: Gr: <name type="person" id="2650" ref="1836">Firmian</name> hat dem Wolfg: eine Tabattier in goldgefasst verehrt und in derselben 20 Cigliatj.<lb/>Wir haben die Saildanzer mit den Hunden in <name type="place" id="2651" ref="74">Mantua</name> spielen sehen, und itzt sahen wir sie in <name type="place" id="2652" ref="97">Parma</name>.<lb/>Ich hab immer vergessen es zu schreiben, daß der primo Uomo von den welschen comœdianten, die in <name type="place" id="2653" ref="47">Salzb.</name> waren, mit dem <name type="person" id="2654" ref="4266">Seccatore</name> in <name type="place" id="2655" ref="75">Verona</name> waren. Ich wuste aber nichts davon. Sie kammen sehr späth in unser wirthshauß <ref type="footnote" id="fn4" n="5"></ref> eben den abend ehe wir von <name type="place" id="2656" ref="75">Verona</name> abreiseten, und zwar eben, da ich den Cameriere bezahlte.<lb/>der alte <name type="person" id="2657" ref="4266">Seccatore</name> nahm, bey erblickung eines Salzb: Duccatten, selben in die Hände und Küsste das Portrait <ref type="footnote" id="fn5" n="6"></ref> sagend: <hi rend="underline">Daß ist mein vatter, der uns grosse gnaden erwiesen</hi> etc: Die <name type="person" id="2658" ref="4266">Prima Donna</name>, des <name type="person" id="2659" ref="4266">Seccators</name> frau, ist gestorben, und zwar in <name type="place" id="2660" ref="75">Verona</name>.<lb/>der H: <name type="person" id="2661" ref="4074">Troger</name> schreibt uns heut, daß er vonn <name type="person" id="2662" ref="3873">Marcobruni</name> benachrichtet worden, daß der H <name type="person" id="2663" ref="4077">Meisner</name> in <name type="place" id="2664" ref="129">Rom</name> angelangt. wir hoffen ihn also alda zu sehen.<lb/>dieser Abbate <name type="person" id="2665" ref="3873">Marcobruni</name> ist derjenige, den du als Collegianten gut gekannt hast. Er wird mir ein privat quartier bestellen.<lb/>hier ist der theuerste Ort, den wir noch in Italien angetroffen haben. Wir wohnen freylich dal <hi rend="underline"><name type="place" id="2666" ref="126">Pelegrino</name></hi>, im besten Wirtshause; haben aber auch die Ehre alle tag einen duccatten zu bezahlen. Es ist um so mehr alles hier gestiegen, weil mehr volk in der Statt ist als sonst vor einigen Jahren. nur Jesuitten sind über 1000 der verjagten hier. Lebet wohl! mich freut, daß die <name type="person" id="2667" ref="3752">Nannerl</name> fleisig ist. Singen soll sie aber mehr nicht, als sie glaubt, daß ihrer Brust nicht schädlich ist. Meine Empf: an alle freunde und freundinen. Wir Kissen euch beyde Millionmahl. addio ich bin dein alter<lb/>Mztmpa<lb/><lb/>du schreibst vom H: <name type="person" id="2668" ref="4067">Wolf</name>, aber nichts vom <name type="person" id="2669" ref="740">schwarzkopf</name> <ref type="footnote" id="fn6" n="7"></ref></div><div type="footnotes"> <div type="footnotetext" id="fn0"> These letters are apparently lost</div> <div type="footnotetext" id="fn1"> Leopold’s letters to Franz Lactanz Firmian and Archbishop Schrattenbach do not survive, nor does his petition for a leave of absence. His ‘good wishes’ refer to the anniversary of Schrattenbach’s election as Archbishop of Salzburg on 5 April 1753</div> <div type="footnotetext" id="fn2"> Mitridate, re di Ponto premiered on 26 December 1770</div> <div type="footnotetext" id="fn3"> See letter 168</div> <div type="footnotetext" id="fn4"> In Verona the Mozarts stayed at the inn Delle due Torri</div> <div type="footnotetext" id="fn5"> Of Archibishop Schrattenbach, whose portrait appeared on contemporaneous Salzburg coinage <ref type="background" idref="170-1"/></div> <div type="footnotetext" id="fn6"> Here Leopold refers to sales of his <name type="work-other" id="000003" ref="000000">Gründliche Violinschule</name>; see letter 163 </div></div></body></text></TEI.2>
Mit Mozarts Worten. Version 1.0, herausgegeben von HRI Online, 2011. ISBN 9780955787676.