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Alternative Versionen von Brief 152
Personen in Brief 152
Orte in Brief 152
Werke von Mozart in Brief 152

Verona footnote1 den 7ten Jenner 1770.
Mir ist sehr leid, daß ich dein erstes Schreiben nicht erhalten habe. footnote2 Es muß vermuthlich auf dem Postamt in Botzen liegen. Ich werde mich erkundigen: dann von Insprugg wird es dahin gegangen seyn. Wir sind, Gott Lob, gesund! damit ich es dir gleich anfangs sage. du hättest sehr wohl gethann, wenn du mir geschrieben hättest, wie viel von mir Brief empfangen, denn einen habe Dir von Wirgl, einen durch den Lehngutscher, dann einen von Insprugg durch die Post, und einen aus Botzen geschrieben. footnote3
Nun muß dir zu erst sagen, daß du nebst meiner Empf: dem H: Ranftl melden sollest, daß wir bey H: Stockhammer grosse Ehren empfangen, und sehr kostbar bewirthet worden, wo ich auch H: Stickler meinen alten bekannten ange troffen. bey H: kerschbaumer kannst du nebst meiner Empf: melden, daß uns H: Semelrock mit aller Höflichkeit empf: und uns weiters ein Empfehlungsschreiben nach bologna gegeben. footnote4 wir waren nur anderthalb Täge in Botzen. In Roveredo sind wir kaum angekommen, so war gleich ein gewisser Cristani, der im Collegio Rupertino das Frauenzimmer bey der Comedie |: des Cato Kind :| footnote5 gemacht, bey uns, und machte im Namen seines Bruders auf dem Kommenden Tag seine Einladung zum Mittagessen. und wer war dieser sein Bruder? derjenige Nicolaus Cristani, welcher beym Edlknaben Hofmeister H: Consistorial Cristani in Salzb: war und mein Scolar auf der Violin war, und dieser ist in Roveredo und der ganzen Gegend die Hauptperson nämlich CreisHauptman, der in Nahmen seiner Mayst: der Kayserin alda ist. du wirst dich seiner noch wohl erinnern, er wohnte bey den H: Edlknaben. Sobald wir zu ihm kamen, sagte er, der Wolfg: sehe dir gleich, er erinnere sich völlig deiner Bildung. Und wen fanden wir da? - - den Sgr: Comte Septimo Lodron, den Consist: Cristiani, einen gewissen Pilati, Vesti etc: die ersten 2 sind von Villa einem Graf Lodronischen Gut hereingekommen: dann von Insprugg kam die Nachricht schon voraus nach Roveredo, daß wir dahin kommen werden. du kannst dir leicht vorstellen wie vergnügt wir beysamm waren einander nach einer Zeit von 19, 20, und mehr Jahren wieder zu sehen, und daß dieß ein fröhliches Mittagmahl ware. Unter der tafel kam der Cammerdiener des H: v Cosmi und Lued uns auf den folgenden Tag zum speisen ein. das war wieder eine freudige Tafel! um so mehr, als H: v Cosmi als ein Wittwer mit einer ansehnlichen freul: im Brautstand war, und sich ein paar täge nach unserer Abreise hat Copuliren lassen. Ich fand alda seine Alte fr: Mutter, und 3 Schwestern. wären wir länger in Roveredo geblieben, so hätten wir bey ihm wohnen müssen; sollten wir abermal dahin kommen, so müssen wir bey ihm absteigen. H: Baron Pizzini und T: H: Graf Lodron, an die wir von Sr: Ex: Hofmarschall reccomendiert worden, footnote6 haben uns mit allen nur erdenklichen Höflichkeiten beehrt. die Noblesse hielte ein Concert in dem hauß des H: Baron Todesci. footnote7 und wer war dieser B: Todesci? jener H:, den H: Giovanni in Wienn einsmal zu uns gefiehrt hat den Wolfg: spielen zu hören. footnote8 Vielleicht wirst du dich noch erinnern. Was sich der Wolfg: für eine Ehre gemacht, ist unnötig zu schreiben. den Tag darauf giengen wir Nachmittags auf die Orgel der Hauptkirche; und obwohl es nur 6 bis 8 Hauptpersonen gewust haben, daß wir dahin kommen werden; so fanden wir doch ganz Roveredo in der Kirche versammelt, und musten eigens Starke kerl voraus gehen, um uns den Weg auf das Chor zu bahnen: wo wir dann eine halbe viertlstunde zu thun hatten, um an die Orgel zu kommen, weil ieder der nächste seyn wollte. wir waren 4 Tag in Roveredo. Dieser Ort ist nicht groß, und war einsmals ein gar schlechter Platz, ist aber durch fleiß der Innwohner seit mannsgedenken immer in bessere Aufnahm gekommen, indem die meisten vom Weinwachs und SeidenHandlung leben. dermahl sind viele vermögliche Häuser da, und man ist sehr höflich mit fremden.
In Verona hat die Noblesse nach 7 Tägen erst ein Concert oder academie footnote9 veranstallten können, dazu wir eingeladen waren, weil täglich opera ist.
Die Cavagliers an die wir recommendirt waren, sind il Marquese Carlotti. il Conte Carlo Emilij. Il Marquese Spolverini. Il Marquese Dionisio St: Fermo. Il Sgr. Conte Justi del Giardino. Il: Sgr: Conte Allegri. footnote10 Bey H: Marquese Carlotti waren wir für allzeit eingeladen, wie auch bey H: Loccatelli. Zweymal speisten wir bey H: Marquese Carlotti. dann bey H: Comte Carlo Emilij. 2 mahl bey H: Conte Justi, der einen schönen Garten und gallerie hat. du wirst in Kayslers Reisebeschreibungen footnote11 solches vielleicht finden. dann speisten wir gestern bey H: Locatelli, und heute war eine völlige verwirrung, die ich dir umständlicher erzehlen muß. wir waren auf heute bey einem gewissen ehrlichen Mann H: Ragazzoni eingeladen. der general Einnehmer von Venedig il Sgr: Luggiatti bath die Cavagliers mich zu ersuchen, daß ich erlauben möchte den Wolfg: abmahlen zu lassen;   Weiterlesen   gestern vormittag geschahe es, und heute nach der Kirche sollte er das zweyte mahl sitzen, und wir sollten alda auch speisen. Sgr: Luggiatti verfügte sich in Person zu H: Raggazzoni und bath ihn uns ihm zu überlassen; dieser mußte solches, obwohl mit grösten widerwillen, geschehen lassen, weil Luggiatti eine große Hand in Venedig hat. wir sollten demnach heut vormittag nach der Kirche zu H: Luggiatti kommen, um vor dem Tische noch einmahl dem Mahler zu sitzen. Es kam aber wieder ein stärkerer, oder grösserer nämlich der Bischof von Verona aus dem Hauß Justiniani, welcher durch H: Locatelli uns nach der Kirche nicht nur bey sich, sondern zum speisen haben wollte. da er aber vernahm, daß man im Begriffe wäre, des Wolfg: Portrait zu machen, und wir abreisen wollen, so liesse er es zwar geschehen, daß wir zu H: Luggiatti zum speisen giengen, hielt uns aber doch bis nach 1 Uhr nachmittag bey sich auf. Man fuhr demnach fort des Wolfg: Portrait auszumahlen, und wir giengen erst um 3 Uhr zum Essen. Nach dem Tische fuhren wir nach der Kirche St. Tomaso um auf 2 Orgeln dieser Kirche zu spielen; und obwohl dieser Entschluß erst unter dem Essen genommen und durch ein paar billets dem Marquese Carlotti und Comte Pedemonte footnote12 bekannt gemacht worden; so war dennoch bey unserer Ankunft in besagter Kirche ein solche menge Volk versammelt, daß wir kaum Raum hatten aus der Kutsche zu steigen. Es war ein solches Gedränge, daß wir gezwungen waren, durch das Kloster zu gehen, wo uns dann in einem Augenblicke so viele Menschen zuliefen, daß wir nicht würden Platz gefunden haben, wenn uns die Patres, die schon an der Klosterporten uns erwarteten, nicht in die Mitte genommen hätten. da es vorbey war; war der Lermen noch grösser, denn ieder wollte den kleinen Organisten sehen. So bald wir im wagen waren, ließ ich uns nach Hause führen; schloss das Zimmer zu, und fieng diesen Brief zu schreiben hat [sic, recte: an]: ich muste mich mit Gewalt von allem los machen, sonst würde man uns nicht so lange in Ruhe lassen einen Brief zu schreiben. Morgen fahren wir mit H: Loccatelli nach dem Amphitheatro   Weiterlesen   und anderen Seltenheiten der Statt, dann speisen wir bey ihm, hernach werden wir AbschiedsVisiten zu machen fahren, übermorgen einpacken und Mittwoch abends mit Gottes hilfe nach Mantua reisen, welches, obwohl es nahe ist, wegen dem Kotigen Wege, eine kleine Winter=tagereise ist.
Sind keine Briefe vom H: Lotter wegen richtigem empfang des gelds gekommen?
hat H: Breitkopf in Leipzig nicht geschrieben, ob er die 100 Bücher empfangen hat? footnote13
Sind die Bücher nach Wienn geschicket worden, und hat H: Gräffer deren Empfang berichtet? footnote14 dergleichen Sachen must du mir nur mit einem paar Worte berichten. war es in Salzb: in den WeinachtsFeyrtagen auch schön Wetter und nicht kalt? Nun haben wir aber 8 Täge fast starke kälte. und stelle dir vor; aller Orten wo wir speisen, im Speiszimmer weder Caminn noch Ofen.
Man bekommt abscheuliche Schwarz-blau-rothe hände. Ich wollte lieber in einem Keller Essen. von dieser Materie, die unser gröstes Kreutz ist, ein andersmahl mehrers. du darfst mir kecklich schreiben, wie man den Handteig macht, vielleicht ist er uns nötig. Entzwischen mache 12 St: Violinschule zusammen, und schicke solche in die Joseph Wolfische buchHandlung nach Insprugg. derjenige, welcher diese Handlung in Insprugg besorget schreibt sich, wenn nicht irre, Felicius oder Felicianus Fischer. In der Mayrischen Buchdruckerey kannst du es erfahren. Du darfst nur ein kleines Briefl beylegen. Ungefehr also: Sie erhalten hier 12 St: Ex: der Violinschule, die mein Mann ihnen zu schicken von Verona mirordiniert hat. Sie mögen es, abgeredter massen, in Comission behalten, und das St: à 2 f 15 xr tyroll. Münz verkauffen, und die verkauften in nämlicher Müntz à 1 f 45 xr meinem Mann vergütt: solches in die Zeitung setzen, und die Kosten diesfals meinem Manne aufrechnen. Nun ist das Papier zu Ende
Lebe wohl ich bin Dein alter
Mztmpa
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Eisen, Cliff et al. Mit Mozarts Worten, Brief 152 <http://letters.mozartways.com>. Version 1.0, herausgegeben von HRI Online, 2011. ISBN 9780955787676.
Mit Mozarts Worten. Version 1.0, herausgegeben von HRI Online, 2011. ISBN 9780955787676.