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Mayland den 17 Nov: 1770
In meinem letzten vom 10 footnote1 diss habe ich dir schon gemeldet, daß du dich für die wohlmeinende Glückwünsche bey allen guten freunden und freindinen statt unser bedanken sollest.
Bey dir und der Nannerl darffen wir uns eben nicht bedanken, dann du hast mir zwar die Glückwünsche anderer überschrieben, deiner aber ist in der feder geblieben; und die Nannerl hat vermuthlich noch keinen Spruch gewust, dann sie schrieb auch kein Wort: Nur in ihrem vorletzten brief versprach sie ihrem Bruder, daß sie ihm mit nächstem gratulieren werde. Dancke Gott, daß ich nicht der doppelt gestrenge H: Danner seel: bin; ich würde dich desswegen sicherlich beym H: StattCaplan oder gar auf dem Consistorio verklagt haben, dann diess ist gewiß eine grössere Beleidigung als das schmutzige Kuchlfürtuch an den Kasten zu hängen, und die wichtigste Ursache zur Ehescheidung.
übrigens hätte es der Nannerl nicht den kopf zerrissen wenn sie mir geschrieben hätte.
den, itzt fällt es mir ein! - - ja, ja, ihrem Bruder hat sie einen Italiänischen glückwunsch überschicket: footnote2 nun erinnere ich mich. Wenn man viele andere Sachen im Kopfe hat, kann man ohnmöglich auf alles denken.
Wir befinden uns, Gott Lob, gesund: der Wolfg: hatte dieser täge ein wenig auf einer Seite seinen gewöhnlichen Zähnfluß mit ei[n w]enig geschwulst. - die Prima Donna ist mit ihren Arien unendlich zufrieden. der Primo uomo kommt die kommende Woche Einen zweyten Sturm haben wir zwischen gestern und heut abgeschlagen; footnote3 und obwohl noch eins und das andere vorfallen wird, so hoffe, daß, mit der Hilfe Gottes, alles gut gehen wird: denn daß eine opera einen allgemeinen Beyfall erhalte, ist in Italien ein glückesZufall, der sich selten eräugnet, weil viele Factionen sind, und so gar eine mittelmässige, ja eine schlechte Solo tänzerin ihre Parteyen hat, die sich vereinigen um ihr bravo und Lermen zu machen. Genug! Es ist schon vieles mit uns vorbey; auch dieses wird, mit Gottes Beystande, sein glückliches Ende erreichen.
H: Pfarrer zu Sietzenheim ist also auch an der krankheit gestorben an welcher sein Bruder Johannes, orgelmacher in Wels, vor vielen Jahren starb; mit dem unterschied, daß jener moraliter et phisicé mager gestorben, indem er sich die abzehrung an Hals gedruncken, und seiner Wittib glaublich wenig hinterlassen, H: Pfarrer aber an der Wassersucht und Brand wird gestorben seyn, und wird so wohl den würmern als seinen Erben etwas hinterlassen haben.
Ich bedaure ihn, er war ein ehrlicher Mann und ein alter bekannter und guter freund von mir. Requiescat in pace!
Du fragtest mich letzlich, ob wir weit von H: Troger wohnen? wir haben eine Viertlstund in das Gr: Firmianische Hause. Es bleiben doch wenig täge aus, daß wir nicht nach dem Mittagessen hinaus gehen um eine Bewegung zu machen, dann nach dem Essen will ich nicht das der Wolfgang schreibe; wenn es nicht die gröste Nothwendigkeit erfordert. heut gehen wir mit H: von Troger abends auf das Land, etwa so weit, als in Plain, footnote4 und bleiben bis Montag alda, er hat ein Weingut und felder alda gekauft, und wird künftiges frühejahr ein Haus dahin bauen. Entzwischen hat er eines alda in bestand. Nun weis ich dir nichts mehr zu schreiben.
wir küssen euch beyde 10000000 mahl, empfehlen uns unsern guten freunden und freundinen in und ausser dem hause und ich bin dein alter
Leopd Mozartmpa

Ist der Congress schon zu Ende? footnote5
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Eisen, Cliff et al. Mit Mozarts Worten, Brief 219 <http://letters.mozartways.com>. Version 1.0, herausgegeben von HRI Online, 2011. ISBN 9780955787676.
Mit Mozarts Worten. Version 1.0, herausgegeben von HRI Online, 2011. ISBN 9780955787676.