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211. LEOPOLD MOZART AN SEINE FRAU, SALZBURG

Bologna den 29 Sept. [1770]
Deine 2 letzten Briefe footnote1 sind vom 7ten und 21 Sept: folglich hast Du den 14ten Sept: nicht geschrieben: wenigst haben wir vom 14 Sept. keinen brief erhalten.
in meinem letzten habe dir schon geschrieben, daß du nach Mayland schreiben sollst.
ich hofe auch eine antwort auf denselben brief in Mayland anzutreffen.
heute hat uns H: Troger die Wohnung angezeigt, die wir in May: beziehen werden; und wir werden, wenn Gott will, den 6ten oder den 8ten octb: von Bologna abreisen. so wohl der Wolfg: als auch ich sind unglaub: betriebt wegen der guten Martherl, die allem ansehen nach schon lange, wie ihr bruder Lorenz, footnote2 einen unheilbaren innerlichen zustand hat. Gott stärke sie! was ist zu machen? wir können sie beyde den ganzen tag nicht aus dem Kopf bringen.
richte ihr unsere Compt: aus.
Wen Du zu Zeiten etwas nicht recht lesen kanst, darf es Dich nicht wundern, denn ich habe einen krampf im finger und kann nicht recht schreiben; und eine fliegende Gall, oder was es immer ist, spatziert von meiner Schulter in den Arm, und spasset sich gar bis in die finger. Es wird sich wohl verziehen: sagte H: Fischer.
wir sind Gott lob wohl auf. Der Wolfg: hat heute die Recitativ zur opera angefangt. Er kisset euch 1000000000 etc: mahl sammt mir.
das zwischen dem Pabst und Portugall alles wieder in guter Verständniß ist, wird euch schon bekannt seyn: man förchtet aber sehr, daß die Aufhebung des Jesuiter ordens vorsich gehen soll; dann der von den Jesuitern seiner Zeit so sehr verfolgte Bischoff Palofox, wird heilig gesprochen werden: Ich könnte euch eine Menge dergleichen Streittigkeiten erzehlen, allein es ist euch wenig daran gelegen. übel genug, daß itzt in Catolischen ländern, ja in Italien die abscheulichsten Streittschriften, wieder die Päbstl: autoritet, wieder die geistl: immunitet etc: herauskommen.
Lebts beyde wohl, unser Compt: an alle freunde und freundinen in und ausser dem Haus; ich bin der alte
Mozartmpa.

NACHSCHRIFT MOZARTS

damit der brief Ein wenig völler wird, will Ich auch ein paar worte darzufügen. mir ist von herzen leid wegen der so lang anhaltende krangkeit welche die arme Jugf: Martha empfinden und mit gedult übertragen mus., hoffe mit der hülf gottes wird sie schon wieder gesund werden, wo nicht, so mus man sich nicht zu starck betrüben, dann der willen gottes ist allzeit der beste, und gott wird schon besser wissen ob es besser ist zu seyn auf dieser welt oder in der andern, aber sie solle sich trösten, indem sie Jezt von den Regen in das schöne wetter kommen kan: Ich küsse der mama die hand, und lebe wohl.
Addio
Wolfgang Mozartmpa
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Eisen, Cliff et al. Mit Mozarts Worten, Brief 211 <http://letters.mozartways.com>. Version 1.0, herausgegeben von HRI Online, 2011. ISBN 9780955787676.
Mit Mozarts Worten. Version 1.0, herausgegeben von HRI Online, 2011. ISBN 9780955787676.