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Bologna den 1 Sept: 1770.
Mein Schreiben vom 25ten aug: wirst du richtig erhalten haben. Nicht nur sind wir noch bey Sr: Ex: Gr: Pallavicini auf dem Lande, sondern wir werden allem Ansehen nach noch einige zeit hier bleiben, und dann gerade von hier über Parma nach Mayland gehen.
Es ist mir sehr leid, daß Livorno nicht sehen kann: dann Genua zu sehen, bleibt mir noch einige Hofnung übrig, wenn wir Zeit haben, und mir die Lust kommt, kann es von Mayland aus geschehen. Mein fuß hat mich so lange in Bologna zurückgehalten, und itzt kommt die Zeit, wo man an die Recitativ etc: der opera, und nicht auf eine lange Reise und Aufenthalt an verschiedenen Orten denken muß, dann, wenn man in Bewegung ist von einem Orte an das andre zureisen, lässt sich nichts machen, man hat wenig oder gar keine Zeit. überdas ist itzt die Jahreszeit, wo alles auf das Lande gehet, und die Herrschaften nicht in der Statt sind. wir werden also etwas, und vielleicht ein Monat früher in Mayland eintreffen als wir schuldig sind. schreibe du entzwischen nur immer nach Bologna.
den 30ten hat uns Se: Ex: in die Statt führen und alda durch einen seiner Bedienten und mit seiner Kutsche bedienen lassen, um das Ammt und die Vesper der accademia Philarmonica zu hören, welches von 10 verschiedenen Meistern Componirt ware; nämlich einer hatte das Kyrie und gloria, ein anderer das Credo etc: und so war ieder Psalm der vesper von einem anderen Capellmeister etc: ieder schlug den Tact seiner Composition; Es musten aber lauter Mitglieder der Accademie seyn. footnote1 Mittags speiseten wir bey H: Brinsechi, welcher uns sehr herrlich bediente. bitte solches nebst meiner Empf: bey H: Factor Hafner anzurühmen. wir haben sehr gelindes wetter, und die Hitze ist vorbey. vor einigen tagen war ein Donnrwetter und ein erstaunlicher Regen, und sehr dämpficht, daß man kaum athmen konnte, dieß war auch der kehraus der Hitze. Es ist mir sehr traurig zu vernehmen, daß es in Salzb: immer theurer wird. was wird denn endlich mit uns allen werden, die wir von der Monat: Besoldung leben müssen? und Churbeyern will einen Erzbischof in München haben? welche Einfälle! und wer soll dieser seyn? vermutlich der Bischof v Freysing? denn sonst müste der Churfürst auf Mittl bedacht seyn einem neuen Erzbischofe Einkünften zu verschaffen; und wo solche nehmen, ohne einem andern abzustehlen? Der Synopsis derjenigen Meinungen oder Sententiarium, die die Universitet in Wienn festgesetzt, wird in Salzb längst bekannt seyn.
viele sachen werden dem Röm: Hof nicht sonderhtl: gefahlen. sonderheitl: da sie vestsetzen, daß das Consilium mehr als der Pabst ist, daß ist so viel, als daß der Pabst nicht unfehlbar ist. footnote2 wir leben in einem Jahrhundert, in welchem, wenn wir noch einige Zeit leben, viel neues hören werden.
Der Wolfg: hat die lange Relation der Nannerl mit freuden gelesen, footnote3 er kann nicht schreiben, indem er mit Sr: E: der Gräfin ausgefahren, und ich wegen dem Brief schreiben zu Hause geblieben, indem auch noch auf Mayland zu schreiben habe.
Ich muß demnach schlüssen. Wir küssen euch beyde 1000 Mahl und ich bin der alte
Leop Mozartpa

unsre Empf: an alle freunde und freundinen in und ausser dem Hause.
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Eisen, Cliff et al. Mit Mozarts Worten, Brief 206 <http://letters.mozartways.com>. Version 1.0, herausgegeben von HRI Online, 2011. ISBN 9780955787676.
Mit Mozarts Worten. Version 1.0, herausgegeben von HRI Online, 2011. ISBN 9780955787676.