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Venedig den 6 Merz 1771.
Diesen Brief hast du dem H: Wieder zu verdanken, der mich zwingt dir zu schreiben, da ich nach dem tische eine kleine Zeit nichts zu thun habe, und eben heute Posttag ist. Gestern war eine schöne accademie, footnote1 und diese täge sind wir so erschröcklich gequält, daß ich nicht weis wer den Preiß davon tragen wird uns bey sich zu haben. Ich kann demnach vor dem Montage nicht weg kommen. dieser ist aber auch der vestgesetzte tag unserer abreise von Vendig.
du darfst aber desswegen nicht besorgt seyn, daß wir nicht auf Ostern in Salzb: seyn werden; was ich hier zu viel bleibe das benehme ich anderen orten, wo mich weniger, und, so zu sagen fast dann gar uns nicht mehr aufhalten werde.
Wir sind, Gott Lob gesund; Es ist uns nur Leid, oder viellmehr es ist schade, daß wir uns nicht länger hier aufhalten können, indem wir mit der ganzen Noblesse genaue Bekanntschaft gemacht, und aller Orten in G[e]sellschaften, bey tafeln, kurz bey allen Gelegenheiten so mit Ehren überhäuft werden, daß man uns nicht nur durch den Secretaire vom Hauß in der gondola abhohlen und nach Hause begleiten lässt, sondern oft der Nobile selbst mit uns nach Hause fährt, und zwar von den ersten Häusern, als Cornero, Grimani, Mocenigo, Dolfin Valier &c: Weist du wenn ich gestern gesehen? - - den Mann derjenigen abscheulichberühmten Sängerin, die zu Salzb: das Famose Concert auf der trinkstube gegeben, und dann sich im sessl in die KaufmannsHäuser um zu betteln hat tragen lassen. Er sass beym Eingang in die Accademie hinter der thüre in einem Rothen Mantl, um zu sehen wie Stark die Compagnie der Noblesse seyn wird. Endlich da ich näher hinkam, stund er auf mich anzureden, dann ich stellte mich, als sahe ich ihn nicht. Er erfreute sich mich in Venedig zu sehen, sagte mir daß seine Frau bey H: Maestro Boroni footnote2 Lection nehme, und mir gerne ihre Aufwartung machen wollte, ich muste ihm mit gewalt meine Wohnung sagen, ich gab aber auch zu hauß gleich ordre, daß, wenn eine Mansperson mit einem FrauenZimmer, oder ein FrauenZimmer allein kommen sollte, man mich allzeit verläugnen solle. Heute haben wir, nach vielen schönen tägen, einen abscheulichen Regentag, ich wünsche, daß der Regen nicht fortdauert, sonst haben wir von Padua nach Vicenza einen erschröcklichen Weeg. Basta! man muß alles nehmen, wie es kommt, dieß sind sachen die mich ganz ruhig schlaffen lassen, wenn wir nur gesund sind.
du wirst, nach dem Empfang dieses Briefes mir hart mehr schreiben können: es müste nur nach Insprugg seyn, wo ich mich auf der Post erkundigen werde.
die Ehren, die wir bey H: Wieder empfangen, kann dir nicht beschreiben, wenn wir nirgends anders eingeladen sind, speisen wir allzeit bey ihm, und er besorgt alles was wir nothwendig haben. Er und sein ganzes Hauß empfehlt sich dir und dem ganzen Hagenauerischen hause.
Lebt wohl, wir küssen euch 10000 mahl ud bin dein alter
Mozartmpa

an alle freunde und freundinen unsere Empf:

Deinen Lamentations=Brief, footnote3 den du nach Mayland geschrieben, habe erhalten; den tag, als das Bölzlschüssen footnote4 im Eizenbergerhof war, sind wir Mittags von Mayland abgereist, und haben die Nacht in Canonico geschlaffen.
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Eisen, Cliff et al. Mit Mozarts Worten, Brief 234 <http://letters.mozartways.com>. Version 1.0, herausgegeben von HRI Online, 2011. ISBN 9780955787676.
Mit Mozarts Worten. Version 1.0, herausgegeben von HRI Online, 2011. ISBN 9780955787676.