English  |  Deutsch  |  Italiano  |  Français

Venedig den 1 Merz 1771
Wir sind Gott lob gesund, immer bald da, bald dort eingeladen, folglich haben wir beständig die gondolen der Herrschaften vor unserem Hause, und fahren täglich auf dem Canal grande. footnote1 Wir werden um 8 täge später aus Venedig wegkommen, als ich geglaubt, und uns auch 2 bis 3 täge in Vicenza aufhalten müssen, indem der aldasige Bischoffe aus dem Hause Cornero uns nicht will durchreisen lassen ohne bey ihm zu speisen oder vielmehr sich bey ihm ein paar täge wenigst aufzuhalten. dann wird auch ein 3 tägiger Aufenthalt in Verona seyn, und vielleicht eine zugabe von 24 Stunden. Nichtsdestoweniger werden wir, wenn uns nichts w[i]driges zustosst, welches Gott verhütten wolle, vor Ostern in Salzburg seyn. Es ist mir nur Leyd, daß wir nichts als betrübte fasttäge auf unserer Reise haben werden. Vielleicht kommen wir am Charfreytag nach Reichenhall, die gewöhnliche Passionsopera alda zu hören. Wie mir das arsenal, die Kirchen, ospitali und andere Sachen etc: ja wie mir ganz Venedig gefahlen, werde dir weitläuftig sagen. Entzwischen kann dir sagen, daß schöne und besondere Sachen hier zu sehen sind. du siehst aus feder und dinten, daß ietzt dieses bey H: Wider schreibe, wo eben Deinen Brief sammt H: Adelgassers Einschluss erhalten. footnote2 an H: Adlgasser und frau unsere Empf: ich werde alles besorgen und sein schreiben mündlich beantworten. footnote3 Was aber die opera anbelangt, werden wir solche noch nicht mitbringen, indem sie noch in des Copisten händen ist, und solcher, wie alle opern Copisten in Italien, das originale nicht aus Handen lassen, so lange sie ihren Schnitt machen können, damit sie es allein haben. der Copist hatte, da wir von Mayland abreiseten 5 ganze Copien zu machen, nämlich 1 für die Impresa. 2 nach wienn, 1 für die Herzogin von Parma, und 1 für den Hof nach Lisabona, footnote4 von den einfachen Arien nichts zu melden: und wer weis, ob er unterdessen nicht mehrere Bestellungen bekommen hat. Er sagte mir dort schon, daß ich vor Ostern mir nicht Hofnung machen därfte, solche zu sehen; unterdessen hoffe in Salzb: zu seyn. Man wird uns solche von Mayland dann nach Salzburg schicken. Was den taffet anbelangt, werdet ihr beyde bedient werden. Wir speisen heut abermahl bey H: Wider, der uns, wenn wir nirgends anders eingeladen sind, für beständig zu tische hat. Er empfehlt sich sammt allen den seinigen; ich habe ihm viele Verbindlichkeit. Am kommenden dienstage werden wir eine grosse Accademie haben . footnote5 am Sontage vorhero werden wir beym Kayser: Gesandten seyn. am Montage bey S: E: Mafetti, wo der Bocelli Sm: war. etc.
addio lebts beyde wohl, wir Küssen euch viel 100000 mahl
ich bin dein alter
Mozartpa

an alle freunde und freundinen in und ausser dem hauß alles erdenkl: schönes auf baldiges widersehen.
Se: Hochf: gden werden sonder zweifel mein Schreiben auf dem Geburtstage footnote6 erhalten haben?
Bitte benutzen Sie den folgenden Hinweis beim Zitieren dieser Webseite:
Eisen, Cliff et al. Mit Mozarts Worten, Brief 233 <http://letters.mozartways.com>. Version 1.0, herausgegeben von HRI Online, 2011. ISBN 9780955787676.
Mit Mozarts Worten. Version 1.0, herausgegeben von HRI Online, 2011. ISBN 9780955787676.