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À Madame / Madame Marie Anne Mozart à Salzbourg par Mantova.

Mayland den 26ten Ottob 1771

Dein Schreiben aus dem Triebenbach footnote1 habe richtig erhalten, mir ist Lieb daß ihr euch gut unterhalten. mache unsere Empf: an das sämtl von Schidenhofische Hause ich werde für die euch erwiesene Höflichkeiten mich seiner Zeit bedanken.
Vielleicht wird von dem grossen Beyfahl, den die Serenata des Wolfg: hat, schon einige Nachricht nach Salzb: gekommen seyn; indem der junge H: Kerschbaumer, der einige Täge hier ist, vorgestern den 24ten im Theater ein Augen und Ohrenzeug war, wie Se: Konig: Hoheit der Erzherzog und die Erzherzogin nicht nur durch Händeklatschen 2 Arien wiederhollen lassen, sondern unter der Serenata so wohl als absonderlich nach derselben beyde von ihrem Balco sich gegen dem Wolfg: herunter geneiget, und durch Bravissimo Maestro ruffen und Händeklatschen ihm ihren gnädigen Beyfahl bezeiget, dem dann iederzeit das Händeklatschen der Nobesse und ganzen volks nachgefolget. Heute ist opera, gestern war nichts, weil freytag war. morgen und übermorgen, nämlich Sonntag und Montag ist abermahl Serenata etc. den 24ten ist ein grosses Unglück geschehen. Es war eine Cuccagna |: das ist ein Preisgebung vieler Esswaaren und Wein etc: so dir mündlich erklären werde :| folglich waren Balchi an dem Ort aufgemacht, damit die Leute es sehen kunten. ein dergleichen Balco ist eingebrochen, folglich sind über 50 Personen nicht nur schwer beschädiget worden, sondern viele haben sich arm und Beine, andere die Hand, andere den fuss, andere den Rüggrad, andere ein paar Rippen etc: abgebrochen, löcher in Kopf gefallen, 2 Frauenzimer sind gleich tod geblieben, und zwar die 2 schwestern des H: de Dominicis, welcher mit dem H: von Troger bey euch war; ein Religiös ist bald darauf gestorben; andere viele sind in der gefahr auch zu sterben. Zum Glück sind wir sehr späth dahingekommen, weil H: Cammerfourier von Zinner den Hofwagen späth geschickt, so ist H: Germani und seine Frau auf den HofBalco neben dem Erzherzog gegangen, und wir auch. Wären wir früher gekommen, so wären wir alle auf den nämlichen Balco gekommen, der eingebrochen ist, weil er dem Printzen gegenüber, und noch näher bey der Cuccagna, folglich sehr gut war. dieses unglück ist bey Zeiten geschehen ehe noch der Balco völlig voll war, sonst wären noch über 30 gegen 40 Personen hinauf gekommen. Danken wir dem allmächtigen Gott! wir gehen auf keinen Balco mehr. du siehst, daß es war ist, was in meinen vorigen Briefen geschrieben habe: footnote2 und darfst sicher glauben, daß bey solchen Gelegenheit, wenig, ohne gefahr, zu sehen ist. so dir mündlich seiner Zeit von täglichen zufällen, die sich hier zutragen, erzehlen werde. der Erzherzog und seine Frau befinden sich wohl und sehr vergnügt, welches Sr: M: der Kayserin eine sonderbare freude seyn wird, weil man besorget war daß er an Seiner Braut wenig Vergnügen haben werde; indem sie nicht schön ist: sie ist aber ungemein freundlich, angenehm und tugendhaft, folglich von iederman geliebt, und hat den Erzherzog sehr eingenommen, dann sie hat das beste Herz und die angenehmste Art von der Welt.
Lebts beyde gesund, wir kissen euch 100000000 mahl und bin allzeit dein getreuer
Mzt

Wir empf: uns allen guten freunden und freundinen etc: Wann du kleidung nötig hast, lass du machen, was nothwendig ist, weder du noch die Nannerl sollen sich die nothwendigkeit abgehen lassen: was seyn muß, das muß seyn. und Nimm dir nichts schlechtes, man macht keine Ersparung, wenn man was schlechtes kauft. lasse dir ein schönes kleid auf die feyrtäge machen, und das, so zu wienn gemacht worden trage alle tage. nur nichts wollenes; das ist kein teufl werth.

NACHSCHRIFT MOZARTS AN SEINE SCHWESTER

Allerliebste schwester!

Ich bin auch gott lob und danck gesund; weil nun meine arbeit ein ende hat so hab ich mehr zeit zu schreiben, allein ich weis nichts, dan alles hat der papa schon geschrieben. ich weis nichts neues, als das in der lotterie 35. 59. 60. 61. 62. heraus komen ist, und also das wen wir diese Numern gesezt hätten, gewonnen hätten, weil wir aber gar nicht gelegt haben, weder gewonnen noch verlohren, sondern die leüte ausgelacht haben. die 2 arien die in der serenata widerholet worden, ist eine von manzoli die andere von der gireli prima Dona.
ich hoffe du wirst dich ergözen in triebenbach mit schiessen footnote3 und |: wen es daß wötter zuläst :| mit spazieren gehen. iezt werden wir in die opera gehen. mein compliment an alle gute freünde und freündinen. Der Baron depin komt oft zu der selbigen Mademoiselle die clavier spielt und folglich kommen wir oft zusammen. meinen handkuß an die mama.
lebe wohl. ich bin wie alzeit dein getreuer bruder
Wolfgang

p: s: verzeye die wilde schrift dan ich eile.
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Eisen, Cliff et al. Mit Mozarts Worten, Brief 251 <http://letters.mozartways.com>. Version 1.0, herausgegeben von HRI Online, 2011. ISBN 9780955787676.
Mit Mozarts Worten. Version 1.0, herausgegeben von HRI Online, 2011. ISBN 9780955787676.