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158. WOLFGANG AMADEUS MOZART AN SEINE SCHWESTER, SALZBURG

[Mailand, 26 Januar 1770]
Mich freuet es recht von ganzen herzen das du bey dieser schlittenfahrt dich so sehr ergözet hast, und wünsche dir Tausend gelegenheiten zur ergözung, damit du recht lustig dein leben zubringen mögest.
Aber eins verdrüst mich, das du den H: v: Mölk footnote1 so unendlich seüfzen und leiden hast lassen, und das du mit ihm nicht schlittengefahren bist, damit er dich hätte umschmeissen könen: wie viel schnupfdichel wird er nicht den selbigen Tag wegen deiner gebraucht haben, vor weinen; er wird zwar schon vorher 2 loth weinstein eingenomen haben, die ihm die grausame unreinikeit seines leibs, die er besizt, ausgetriben wird haben. Neües weis ich nichts als das H: gelehrt, footnote2 der poet zu leipzig gestorben ist, und dan nach seinen doth keine poesien mehr gemacht hat. just, ehe ich diesen brief angefanget habe, habe Ich eine aria aus dem Demetrio footnote3 verfertiget, welche anfängt so:

Misero Tu non sei:
Tu spieghi il Tuo Dolore;
e se non desti amore;
Ritrovi almen pietà.

Misera ben son io
che nel segretto laccio
amo, non spero e taccio
e l`idol mio nol sa. footnote4

die opera zu mantua ist hübsch gewesen, sie haben den Demetrio footnote5 gespillet, die prima Dona singt gut, aber still, und wenn man sie nicht agiren sehte, sondern singen nur allein, so meinete man, sie sienge nicht, dan den mund kan sie nicht eröpfen, sonder winselt alles her, welches uns aber nichts neües ist, zu hören. footnote6 la seconda Dona macht ein ansehen wie ein granadierer, und hat auch eine starcke stime, und siengt wahrhaftig nicht übel auf daß daß sie daß erste mahl agieret. il primo uomo, il musico, footnote7 singt schön, aber einne ungleiche stime, er nent sich Casselli.
il Secondo uomo, ist schon alt, und mir gefält er nicht er nent sich footnote8 Tenor. einer nent sich otini, welcher nicht übel singt, aber halt schwer, wie alle italienische Tenore, und ist unser sehr guter freünd, der andere weis ich nicht wie er sich nent, er ist jung noch, aber nicht viel rares. primo ballerino. gut. prima Ballerina: gut, und man sagt, sie seye gar kein hund nicht, ich aber habe sie zwahr in der nähe nicht gesehen, die übrigen aber wie alle andern: Ein Crudescer footnote9 ist da gewesen, der gut springt, aber nicht so schreibt wie ich: wie die säü brunzen.
das Orcchestro, ist nicht übel gewesen. Zu Cremona das orcchestro gut, und der erste Violinist nent sich. Spangnoletto. prima Dona, nicht übel, schon alt glaub ich, wie ein hund, singt nicht so gut, als sie agiert, und ist die frau eines violinisten, der bey der opera mit geigt, und sie nent sich Masi. Die opera nent sich: La clemenza di Tito. Seconda Dona, auf den Theater kein hund, jung, aber nichts rars. primo huomo. Musico cichognani. Eine hübsche stime, und ein schönes Cantable. Die andern zwey Castraten, footnote10 jung, und pasabl. Tenor: nent sich: non lo sò. footnote11 hat ein angenemes wesen an sich, sieht den le Roi: zu wien. der zum leman ist hinkomen, natürlich gleich: Ballerino primo: gut, Ballerina prima. gut, und ein sehr grosser hund.
eine Tänzerin ist dort gewesen, die nicht übel geTanz hat, und was das nicht für ein Capod` opera footnote12 ist, ausser dem Theater, und in dem Theater kein hund ist. die übrigen wie alle. ein Crudescer ist auch dort gewesen, der, bey einem ieden sprung einen streichen hat lassen. von Milano, kan ich dir wahrhaftig nicht viell schreiben, wir waren noch nicht in der opera, wir haben gehört daß die opera nicht graden hat. aprile primo uomo singt gut, hat eine schöne gleiche stime, wir haben ihn gehört in einer kirchen, wo just ein grosses fest war: Madam piccinelli von paris, welche bey unsern Concert gesungen hat, footnote13 agiert bey der opera: Monsieur Bicch, welcher zu wien Tanzte, tanzt hier zu Milano. Die opera nent sich: Didone abbandonata. footnote14 diese opera wird bald aufhören, und Sig. piccini welcher die zukünftige opera schreibt, ist hier in Milano: habe gehört, seine opera heist: Cesare in eccito: es sind auch feste di Ballo hier: dan so bald die opera gar ist, nimt dan das fest di ballo seinen anfang: die hausmeisterin des Conte de Firminans ist eine Wienerin, und vergangenen Freitag haben wir dort gespeist, und zukünftigen Sontag, werden wir auch dort speisen. Lebe wohl, und küsse der mama in vece mia Tausendmal die hände, massen ich bleibe dir bis in doth getreüer bruder
Wolfgang De Mozart
Edler von hochenthal
freünd des zahlhausens.

den 26 Jener 1770.
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Eisen, Cliff et al. Mit Mozarts Worten, Brief 158 <http://letters.mozartways.com>. Version 1.0, herausgegeben von HRI Online, 2011. ISBN 9780955787676.
Mit Mozarts Worten. Version 1.0, herausgegeben von HRI Online, 2011. ISBN 9780955787676.