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155. LEOPOLD MOZART AN SEINE FRAU, SALZBURG

Mantua den 11 Jenner 1770.
Gestern sind wir abends hier angelanget, und sind eine Stund darauf, nämlich um 6 Uhr in die opera footnote1 gegangen. Wir sind, Gott Lob, gesund; der Wolfgangerl sieht aus als wenn er einen Feldzug gethan hätte: nämlich ein wenig Rothbraun, sonderh: um die Nase und den Mund, von der Luft, und vom Caminfeuer. So, zum Exempl, wie Se: Mayst: der Kayser aussehen.
Meine schönheit hat noch nicht viel gelitten, sonst würde ich in Verzweifelung gerathen. von hier kann ich dir noch nichts schreiben: heut ware bey T: H: Fürsten v Taxis, footnote2 er war aber nicht zu Hause, und Se: gnädige Dame hatte so nothwendig Briefe zu schreiben, daß sie uns ihre LandsLeute nicht sprechen kunte.
wir sahen aber unten im Hause ein paar schmutzige Kuchlgöttinen ganz freudenvoll herausspringen, um uns, als ihre LandsLeute zu sehen. Mir scheint es gefällt ihnen in Italien nicht sonderheitlich. Morgen sind wir mittags bey Tit: H: Grafen Francesco Eugenio Comte d`Arco eingeladen; footnote3 dann werde etwas mehrers von hier schreiben können. Unterdessen muß ich dir noch eins und anders von Verona melden. Wir haben das Amphiteatrum und das Musæum Lapidarium gesehen.
in Kayslers Reisebeschreibungen footnote4 wirst du es lesen, und ich werde ein Buch wegen der Alterthümmer v Verona mitbringen. footnote5 H. v Helmreich, footnote6 dem mich empfehle, wird dir wohl die zwey Theile des Kayslers noch lehnen, damit du wenigst im Zimmer reisen kannst, wenn du gleich nicht bey uns bist. Ich würde die Briefe zu sehr beschweren und Theuer machen, wenn ich die Zeitungsblätter, die von dem Wolfg: in Mantua und anderen Orten schreiben, einschicken wollte. Hier schliesse eines bey, in welchem 2 fehler sind; nämlich: es heist wirkl: Capellmeister, und in einem Alter von noch nicht 13 Jahren, anstat 14 Jahren. footnote7 Allein, du weist wie es geht, die Zeitungsschreiber schreiben, wie es ihnen einfällt, und was ihnen einfällt. Ich könnte dir noch andre sachen einschicken; dann die Poeten sangen in Verona in die Wette über ihn.
hier ist die abschrift des in unserer gegenwart aus dem Stegereif Componierten Sonetto von einem gelehrten Liebhaber, footnote8 so wie auch selbst der Capellmeister Daniele Barba über den Wolfg: die schönsten Verse ex tempore gesungen hat etc: footnote9 den 16ten wird hier in dem Saal der Accademia Filarmonica das gewöhnliche wöchentl: Concert seyn, footnote10 wozu wir eingeladen sind: dann gehen wir gleich nach Mayland, ist das Wetter kalt und der weg gefrohren, so gehen wir über Cremona; ist das Wetter warm, folglich die Wege schlecht, so müssen wir über Brescia. footnote11 Es ist alles sicher, hier hört man kein Wort, wie in Teutschland. Ich habe bey meiner Ehre kaum zeit diesen Brief zu schreiben. wir musten heute desswegen die opera auslassen.
So bald wir in Mayland sind, werde dir wieder schreiben und du schreibe mir nach Mayland. Du kannst unten daransetzen: per ricapito del Sgr: Troger Secretario di S: Exllza il Sgr: Comte Carlo de Firmian. Nun muß ich schlafen gehen. Lebe du und die Nannerl wohl. wir kissen euch 1000 Mahl.
wir drincken alle tag euer gesundheit, der Wolfg: vergisst es niemals.
Lebe wohl ich bin dein alter
Mztmpa

An alle gute freunde und freundinen alles Erdenkliches.
ich kann niemand schreiben, ich bin ein geblagter Mann.
nichts als anlegen und ausziehen; Einpacken und Auspacken, und noch dazu kein warmes Zimmer, verfrieren wie ein Hund, alles was nur berühre, ist wie Eyß. Und wenn du erst die Thüren und Schlösser an den Zimmern sehen solltest! lauter
gefängnisse !

den Eingeschlossenen Brief an H: Friderici footnote12 nach Gera gieb auf die Post, damit er bald und richtig fortkommt. Es ist die Bestellung eines Flügels. footnote13
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Eisen, Cliff et al. Mit Mozarts Worten, Brief 155 <http://letters.mozartways.com>. Version 1.0, herausgegeben von HRI Online, 2011. ISBN 9780955787676.
Mit Mozarts Worten. Version 1.0, herausgegeben von HRI Online, 2011. ISBN 9780955787676.