The Hartlib Papers

Title:Religious Tract, Part 2, Poehmer, In German & Latin
Dating:1638-1639
Ref:36/4/56A-66B: 66A, 66B BLANK
Notes:Document is divided between two files.
[36/4/56A]

4. Wer aber nun seinen verstand von solchem præjudicio befrewet[umlaut on w], Vnd sich zue einem serio Examine der strittigen Puncten tüchtig, auch darin schon einen anfang gemachet, der wirdt sehr weiszlich thuen, dasz er nit allesz zugleich auff einmal anfange, in zweifel zue ziehen, Vnnd sich also mehr vfflade, dan er bestreitten kenne; Sondern Vnder den dubijs diesen Vnderscheÿd halte, dz er die Ienige zue erst erörtere, ohne welche erörterung, er alle die [word deleted]<munia> pietatis et caritatis nit in allen ihren Vmbstenden fertig Vnd genawe genug verrichten kan. Welche opinio de Deo, Christo eiusque operibus et donis ein einigesz fundamentum practicum vmbsteszett ist in sich selbst auszer zweifel gantz falsch vnd absurda. Vnd derentwegen groszer refutation nit wurdig. welche aber ad exercitium pietatis nit directe, oder auch wol gar nicht collimieren ist der disquisition kaum werth, nun allein die Ienige stuckh welche die fundamenta fidej et pietatis nostræ angehen, erforderen eine fleiszige durchsuchung.
5. Welche <durchsuchung> aber, da sie <#> <right margin: adhibitis>, licet omnibus medijs so feliciter alsz wie gern wollten nit succedieren will, darff ihn doch dz keines wegsz Irre machen: So lang er versichert ist, dz er in praxi pietatis nit schlefferig ist, wirdt; Gott verbürget sich zue zeitten etwasz lenger, auff dasz er desto fleisziger von vnsz gesuchet werde.   Ia solte esz gleich kommen, dasz wir die gantze zeit vnseresz lebensz, nit völlige gewiszheit von den hohen geheimnuszen haben soltten <konten>, hindert vnsz doch solchesz ein geringsten nit an vnser Seeligkeit. Sintemal Got einmahl die erfindung vnd volligen verstand solcher geheimnuszen eine condition der erlangung der ewigen Seeligkeit gemacht, sondern die liebe von Reinem hertzen, von guetten gewiszen, vnd von vngeferbtem glauben 1. Tim. 1. die offenbahrungen aber seiner geheimnuszen hat er alsz eine frewe willige Gnadengaabe[altered from Gnaadengaabe], [catchword: ihme]
[36/4/56B]

ihme selbst vorbehalten, die er verleihett wehme er will,. So können wir ia auch wol vnser leiblichen Obrigkeit Vnderthan sein, Vnd vnder deren schutz leben, ob wie sie gleich von Angesicht nit gesehen, Vnd alle ihre heimligkeÿtt[altered] nit wiszen,: warumb solten wir nit mit gerüehigem herzen dienen kennen, dem himlischen Könige aller Könige, Vnd herren aller herren, den kein mensch sehen kan, Vnd leben, ob wir gleich vielen siner geheimnuszen, in dieser vnser sterblichkeit, vnwiszendt bleiben müeszen, welchesz aber doch einem Recht Gottsfürchtigen, der warheit begierigen menschen, so gantz Vnd gar nicht wider fahren wirdt, so er nur selbige im Buche der warheit, auff warhafftige Vnparteÿische[altered] dinge <weÿse> suchen, Vnd die Völlige erfindung derselben, Vom Vatter der warheit im Geÿst Vnd in der warheit bitten wieder wartten will. 6. damit er aber sich nit betrüge, Vnd einen völligen verstand einigesz geheimnusz, oder einigen orths in der Schrifft qui ancipitem sensum pati potest, ihme persuadiere davon er noch kaum einen geringen vorschmackh hatt, muesz er sich wol hütten, dasz er auff keine opinion die ihme nit so deütlich Vnd gründtlich alsz eines der præceptorum practicorum kan vorgestellett werden, so hefftig falle, Vnd dieselbe so feszthalte, dz er <ihme> gantz fürsetzen sollte, nit mehr oder weniger, dan[altered] er iezo davon weisz, iemahlsz anzunehmen: dan da wurde er sich einen groszen abbruch thuen, Vnd die gewünschte Ruhe seinesz gewiszensz offtmal interrumpieren; Sondern das aller beste ist, dz man zwar nach fleiszigem Examine in einer meinung beruhe, sein gemüth aber doch alzeit so freÿ vnd offen behalte, dz <es> so bald es die falschheit derselben sich ereüget, sie strackhs fahren laszen, oder in[altered] mehren gewiszheit daran alzeit annehmen kenne[altered]. Vnd so kennen dise beÿde dicta Bonum est gratiâ[altered] [stabiliri?] cor Hebr. 13, et omnia probate, quod bonum E retinete, [coridlieret?] werden. [catchword: wir:]
[36/4/57A]

Wir müeszen vor allen dingen gewisz Vnd Vnbeweglich werden, Vnd bestòndig also verbleiben, in denen dingen, die ewig gewisz Vnd Vnbeweglich bleiben, Vnd ohne welche wir auch die andere zweifelhafftige dinge niemalsz recht erörteren können, Solchesz seindt, wie oben gedacht, alle die Gebott Gottes, von der Liebe Vnd Gottseeligkeit, so wol inszgemein, alsz auch in sonderheitt: dan wer ist iemalsz so verruecht gewesen, der fragen dörffen ob man auch wol absolute oder certa respectu Gottlosz sein dürffe? Diesesz ist also von den mitteln seinem hertzen Vnder den Vilfaltigen Vngöttlichen Religionsz Streitt, der argen besen wellt, Ruhe zu schaffen meine meinung.   Darin ich nit leügne, dasz vil dings weiterer[altered] determination bedürffen. Aber dan weis der herr, dz solchesz eines gantzen tractatus werth <sein> wurde, welche sich so ex tempore in Privatschreiben nit vsz dem Ermel schütteln laszen. wie wol ieglicher Verstendiger die gehörige limitationes erheischender nottdurfft nach leicht machen kan. Ich meines theilsz bin so gesünnet, dz welche objectiones Ich ex datis Authoris fundamentis beÿ mir beantwordten kan, dieselbe alsz von dem Authore selbst resolvieret schetze, obgleich derselben gantz keine meldung geschehen. Wünsche dasz ich das glückh in allen meinen meditationibus haben möge, welche ich, propter concursum variorum negotiorum, plerumque crudas et impolitas zue erst in desz herren, Vnd dan in anderen denen selbige zue zeigen ihme geliebett, gesicht muesz kommen laszen. Nun setze ich den oberzehlten, diesesz noch hinzue, dz, wer die warheit derselben wiszen will, derselbe â praxi nit aber â speculatione anfangen[altered from empfangen] müesze, wehm die praxis Vngereimbt dunckhet, dem wirdt gewisz das Schuelgezanckh lieber sein, alsz die lehre nach der Gottseligkeit. Sonst weis ich nit (pace tamen Domini P.) ob ich dieselbiger glückhseliger schetzen solle die niemalsz keinen groszen zweifel wegen wichtiger Religionsz Puncten in ihrem gewiszen befunden, alsz diese, die wie wol nach langweiligem Vnd beschwerlichem conflictu, denselben, vberwunden. [catchword: zwar:]
[36/4/57B]

Zwar möchte sichs einer wol wünschen das er mit solchem zweifel Vnd iemerlichen disputieren mit sich, selbsz niemahlsz mochte beschweret werden, Aber ich halte solchen wunsch wurdte nit Vngleich <sein> der bidte der kinder Rebedej, derer einer gerne zur Rechten, der ander zur linckhen Christi sitzen, sich aber von dem kelch trinckhen desz herren wenig tròwung lieszen[altered]. Vnd dasz ist vnser natürlicher trieb, dz wir alle müehe Vnd Vngemach vermeiden, Vnd ohne einige trübsal[altered] insz Reich Gottes gehen mochten. Aber das ist vnsz rund abgesagett, Eben der grosze Apostel Paulus, war von diesem kampff seines glaubens nit strackhs anfang seines Apostel Ampts befrewet; Ehe er seinem Timotheo konte sagen, scio cuj credidi, mueste er lange zuevor bekhennen, dasz ers nit schon ergriffen hette, oder schon volkommen were, Ich iage ihme aber nach (sagt Er) NB: ob ichsz auch ergreiffen möchte, nach deme Ich von Christo Iesu ergriffen bin, Vnd wie die worte ferner lauten: phil. 3. v. 13. 14. rtc. darumb hat man sich nit alzue sehr zue betrüben wan [word deleted] man gleich durch alles nit so geschwindt durch kommen kan: last vnsz nur mit Paulo glauben halten, so werden wir auch neben ihm die Crone der gerechtigkeÿt von dem gerechten Richter an Ienem tage davon bringen, Amen.   Negst diesem so betrüebe [letter deleted] mich gantz nit, so offt eine newe ob gleich gantz paradoxa religio in der kirchen Gottes herfür gebracht wirdt, dz ist mir ein gewiszesz zeichen Vòtterlicher fürsorge Gottes vber sein Volckh, welcher entweder eine incognitam hactenus Veritatem demeselben dardurch revetieret, oder te non satis fideliter custodia, accepta olim veritate esz erinnert, Vnd zue einer fleissigen durchsurchung der grunde ihres glaubens ermuntertt, die Ienigen zwar die solche gantz vnerhörte opiniones herfürbringen dürffen, haben ein groszes auff sich, seindt aber doch darumb alszbalden nicht zue verkezern Vnd verdammen, so lange sie das wortt Gottes zum grund derselben auffs wenigste ad modum [catchword: pro:]
[36/4/58A]

probabiliter anziehen kennen, ihre opiniones auch nur modesté proponieren, nit aber seditiose dieselbe propugnieren, Vnd selbige alsz einen notwendigen glaubensz Articul per vim andern zue [obtradieren?] sich vnderstehen, Sintemal homo hæreticus Paulo nur sovil heiszet, alsz ein zanckhender Vnfriedliebender mensch der vmb geringe tricos gantze gemeinen zue perturbieren Vnd an einander zue hetzen ihme gantz Kein[altered] bedenckhen macht, Vnd Von solchen importunitet nit ablaszen will, ob er gleich einmahl Vnd dasz andermahl wegen der nichtigkeit der dinge darüber er so hefftig zanckhet, vermahnet ist, auch in seinem hertzen gnugsam Vberzeüget, [Greek: (?autokatakritos.)] dasz es nur nichts werths, liederliche dinge sein, welche er tanto cum impetu verfechtett, wie die [cohulrentz?] der wortte beÿ Paulo Tit. 3. solchesz gnugsam auszweiset. Keinesz wegesz aber solch ein Utopisches Monstrum Heretici, welchesz ihnen die Papisten alijque eorum hac inparte nimis quam felices æmuli, fingieren. So hatt auch keiner[altered] der eine sonderliche opinion f fovieret, sich ein bedenckhen zue machen, die selbe zue proponieren, so lange er versichert ist, dz sie die principia veræ pietatis nit allein nit vffhebe, sondern vil mehr bekròfftige, dan die müeszen gleich wie die postulata Mathematicorum nit einmal in zweifel gezogen werden. Vberdasz in seinem gewiszen genugsam vberzeügett, dz er sie nit wegen Ehr, gewinst, vil weniger zanckh Vnd zwitracht, Sondern nur die warheit derselben, zue aplorieren, Vnd dardurch anderer wolfarth zue beförderen bekandt mache.
Bleibt er nun vff dem einigen grundt Christo, so hatt es mit ihme keine gefahr, solte er gleich darauff bawen, holtz, hew, stoppeln, welche hernach mahlen durchs fewer gewisz werden verbrandt werden, also dz er zwar deszen schaden leüden, selbst aber seelig werden wirdt, so doch alsz durchs Fewer. 1. cor. 3. v. 15. Darumb dan (damit ich diese gantze materi beschliesze.) am aller sichersten in diesem fall, alle mittel [catchword: da:]
[36/4/58B]

Dadurch man in der warheit proficieren kan, aufs fleiszigste Vnd Vnparteÿichste zue gebrauchen, dz einige aber wasz man erroneum in anderen schetzete, nach dem man befunden, dz die dar wieder eingefüehrte argumenta nit convincierendt[altered] gnug gewesen sein, Gott befohlen, der da prüffet hertzen Vnd Nieren, Vnd den Rath Vnd [techten?] der hertzen, zue seiner zeit ansz liecht bringen wirdt, keinesz wegsz aber wegen forcht der Ewigen Verdamnus der vermeinten irrenden, die gleichwol ein Vnstreffliches leben füehren, vnsz òngsten, Sondern vilmehr dem frieden mit Iederman nach Iagen, Vnd der heÿligung, ohne welche niemand den herren sehen wirdt, Hebr. 13. Alhier aber mochte nun einer sagen, Ists so beschaffen, dasz man Vnder solcher menge Rotten Vnd Secten, Ruhe seinesz hertzensz erlangen, Vnd sein gewiszen Gott dem herren approbieren kan, so haben vnsere Vorfahren, gewisz Vnrecht gethan, dz sie von der Römischen kirchen mit solchem Tumult abgewichen, Vnd derselben seit der zeitt, sich so mòchtig opponieren: Andtwordt: Freülich hetten sie sehr Vnrecht gethan, wan ihnen die Freüheit oberzehlte mittel künlich zue gebrauchen weren vergünnet worden. Aber es geschehe da nichts wenigers; wer auff solche weüse aus dem wortt Gottes durch freÿe conferenz anderen opinionen wolte seinem gewiszen consulieren, der wurdt alszbald alsz ein ketzer ausz der Synagogue[altered] hinauszgestoszen, ia gar dem fewer zur speise gegeben. Es bederfften nit andre dasz sie sich absonderten: Sie wurden zeitig genug durch die gröszere Partheÿ weggestoszen, Vnd also gezwungen, ihr leben mitt der flucht, oder gegensatz welltlicher gewalt zue salvieren. Aber de discessu nostrorum à Papatu etwas auszführlicher zue reden, wil ich zwar ihren modum discedendi in allen nit justificieren, Auszer zweifel hetten[altered] sie esz in gar [catchword: Viel:]
[36/4/59A]

Vielen weit beszer machen können. Ia ich beiammerer zum höchsten, dasz fast alle protestierende gemeinen, da sie sich so sehr bemühet, von dem dienst des Thiers sich zue befrewen[umlaut on w], dannoch von dem imagine bestiæ sich sogar vbel erledigett haben, in deme sie sich hernachmal fast aller der laster darumb sie dz Pabstumb verlaszen, selbsten theilhafftig gemachett, Vnd gleichsam auch gewisze mahlzeichen vffgerichtet haben Vnder <ohne> welche fast keiner Vnder ihnen, kauffen, verkauffen, Vnd narung treiben mag.   Aber dieses allesz benimbt ihnen an ihrem recht Vnd macht, dasz sie zue solcher separation gehabt haben, gantz nichts.   Es were dan dz man erweisen kendte dz die Römische kirche ein solch special privilegium immediate von Gott empfangen hette, dz wer sich einmahl zue ihr bekandt, niemalsz sich von Ihr mit fug Vnd Recht scheÿden kente, Sie machte esz auch so grob mit Ihme wie sie wolte.   Wie aber diesesz in ewigkeit nit erwiesen werden kan, also kan dz jus â corrupto cætu semet separandi, keinem abgeschnitten werden. die corruptio cætus aber, mues nur ausz solchen signis evincieret werden, quæ manifesto arguant, illius ab ipsamet Christo secessionem, et separationem. Vnd kennen diesen Vornemlich Viererleÿ gegeben werden. Nemlich. 1. Hæresis recepta significatione est sententia, quæ vel directe, vel per manifestam, et cuique tÿroni et cerdoni obviam consequentiam everetit sensum, ad cultum sive obedientam Iesu Christo præstandum necessarium. 2. Idoldatria, cum id quod DEVS non est, divino honore afficitur. 3. Impietas vitæ manifesta. 4. Tÿrannis vel in conscientias, vel in corpora, vel in bona hominum errantium, aliqui in reliqua vita nino centium. Dasz auch eine iegliche ausz obangezognen, Vrsach genug seÿ, von einer gemeine zue weichen, kan ausz Gottes wortt deütlich genug erwiesen werden, dasz aber nit eine sondern alle Viere, Vnd zwar in summo gradu dem Pabstumb zue vnser Vorfahren zeiten, angeklebett, Vnd noch anklebe, ist mehr dann Sonnenklar, alhier aber nach der lenge zue deducieren allzue weitleüffig, [catchword: auch:]
[36/4/59B]

auch von Vnzehlichen ad nauseam usque inculcieret worden. Vnd bleibt demnach die Separatio der Protestierenden â tam corrupto Romanæ Ecclesiæ cætu licita et iusta in se. Es sindt aber doch noch ein oder ander Einwurff, welche gar speciose zum patrocinio desz Papatus kennen[altered] angezogen werden, welche ich sehen will wie ich sie in müglichster kürtze beantwortte. Zue erst zeigt[altered] man etliche sprüche der[altered] Schrifften, gleich alsz ob der primatus papæ Vnd groszen prorogativa der Römischen kirchen darin stabilisieret wurde. Aber weil die obgedachte hÿpothesis de illimitata Ecclesiæ alicuius in membra sua protestate werde in denselbigen, noch auch irgendt interminis assesieret wirdt, kan man leicht gedenckhen, wie wenig solche sprüche der Papistischen Tÿranneÿ favorisierete. Vnder diesen sprüchen nun ist der Vornembste, Matth. 16. Tu es Petrus[altered] dabo tibi claves Regni cælorum. Quicquid ligaveris. Aber, zue geschweigen, dasz, wasz Christus hier zue Petro allein (alsz der die bekandtnus reliquorum Apostolorum <nomine> allein gethan) saget, dz saget er Matth. 18. v. 18. zue allen Iüngern inszgemein: Quicquid ligaveritis item Ioh. 20. Quibuscunque remiseritis peccata. welchesz dan zweifelszohn die glossa vber dz ligare ist; Wie kennen sich doch die Pòbste zue Rom, dannenhero mehr dan andere Bischoffe[altered] disesz privilegium anmaszen, welchesz ihnen doch in der Schrifft niemahlen gegeben ist, da ia keiner mehr Vngleich Petro, dan eben sie nun diese Viel hundert Iahr gewesen sein? Wasz meinet aber wol das dabo claves? Wan wir die Analogicam genaw folgen wollen, mues clavis Regni cælorum solch ein ding deüten, welchesz dies naheste mittel ist, einem in den himmel zue helffen, gleich wie der schlüszel ist einen in[altered] ein gemach zue laszen. Wasz kan aber diesesz anders <sein> alsz die Predigt von Iesu Christo? den wie sollen sie glauben, von deme sie nichts gehöret haben, wie sollen sie hören ohne Prediger! [squiggle] Rom. 10. Vnd scheinet demnach dieses [catchword: desz:]
[36/4/60A]

desz herrn Christi <meinung> zue sein. Auff dasz bekandtnus dz du <von> mir ietzo gethan hast, Vnd mich erkandt vor dem Gesalbten[altered], den Sohn des lebendigen Gottes, wil ich meine gemeine bawen, welche so lange sie darauff, alsz auff einem Vesten Vnbeweglichen grundt bestehen wirdt, wirdt der Teüffel mit aller seiner list Vnd macht, nichtsz an ihr haben kennen. du aber der du mich so freÿ[altered] Vnd rund bekent hasst, solt vnder andern die gnade haben, dasz du solt angethan werden mit der Krafft von der höhe, Vnd mit der erkantnusz meiner geheimnuszen, Vnd mit gabe, dieselbe den menschenkindern kundtbar zue machen, durch deine Predigt gleichsam alsz durch einen Schlüszel, die Thüre desz himmelreichs ihnen zue öffnen, Vnd die herrligkeit, die einem ieglichen glaubigen alda fürbehalten ist, für augen zue stellen, damit aber doch nit ein ieglicher Vnreiner Vnd Vnbuszfertiger hinein zue lauffen gedenckhe, soltu mit solcher weiszheit Vnd krafft der menschen gemüethen darzue zue bereÿten, begabet werden, dz du vnder den menschen vberweisen wirst, dz sie noch mit banden der fünsternus Vnd Sünden vmbfangen Vnd also Vnwirdig sein, des ewigen lebens, dieselbe so lange sie deiner Predigt nit gehorchen, sie auch für solche von Gott dem H selbst, alsz der die hertzen Vnd Nieren Prüeffett, sollen gehalten, Vnd von seinem Reich vszgeschloszen werden. Welche du aber hergegen zue wahrer busze bewegen, Vnd sie also erretten wirst von der Liebe, Vnd dienstbarkeit der Sünden, Vnd von der Tÿranneÿ des Teüffels, die sollen auch von Gott selbst absolvieret, Vnd zue Kindern angenohmen werden; Welche paraphrasis dann der worten Christi, wan sie paszieren mag, (wie ich dan nit sehe, dz sie nit eben so nahe den wortten Christi alsz irgendt eine andere kompt, wie wol ich ietzo gantz keine commentarios Biblios vmb mich habe.) alhier Petro nichtsz verheiszet, welches auch die andere Apostell nit hernachmahlen mit genoszen: die Pòbste aber zue Rom so wenig sich an zue maszen haben, so wenig sie es Petro am fleisz nur im Predigen (wil geschweigen an der macht [catchword: im]
[36/4/60B]

im Predigen.) auffs wenigste dise 800. Iahr gleich gethan. Ich sage hir mit Hm Episcopio deszen gantze disputation de primatu papæ ich gerne hier inserieren wolte, ausz seiner schonen Epistel contra Waddingum, wan sie nit etwan zu lang were.) Posito quod illa authoritas, (sc: solvendi et ligandi) data fuerit Petro ò Iesu Christo, neutiquam tamen verisimile, videri eam authoritatem ad successores ipsius in sede Romana, ut ita loquar, derivatam fuisse,: quin eam Iohannos Apostolus alijque Petro supervixerint, dicendum foret Episcopum Rom. caput fuisse Iohannis, et eorum qui in vivis adhuc erant. de Iohanne enim quod postea aliquandiu vixerit res certa Est. At quis credat, Apostolos â DEo immediate vocatos instructos et missos, Episcopo Romano puta [Linoant?] Cloto subiectos fuisse. Hactenus ille. Gewisz ist dz wz hier Christus Petro zue saget, nit absolute, sondern conditionate versprichet, nemlich der gestallt, wirstu in diesem von mir gethanen bekandtnusz bestòndig beharren, dabo tibi claves Regni cælorum. damit du (wie Paulus zue Thimotheo saget.) nitt allein dich seelig könnest machen, sondern auch andere.   Wan du die Schlüszel zum Reich Gottes recht gebrauchen wirst, quicquid ligaveris, ligatum erit. etc.: da dan im wiederspil sich leicht verstehet, wz Christus dem Engel der gemeine zue Epheso drewet, wirstu diesen deinen glauben Vnd die erste liebe verlaszen, So wil ich dir kommen bald, Vnd deinen leüchter Vmbstoszen: wirstu die Schlüszel desz Reichs Gottes entweder wegwerffen, oder durch nachleszigkeit verrosten laszen, wirdt dein binden vnd aufflösen auch so vil alsz nichtsz sein.   Vnd wan Gott so gantz absolute dise grosze privilegia einigem Bishoff hette anvertrawet, warumb werden dan so viel requisita an denselben Persohnen von Paulo Vnd von Petro selbsten fordert, warumb durchsuechet Christus so genaw der 7. Engel in Klein Asia tugendte Vnd lasster Vnd drewet [catchword: den]
[36/4/61A]

den nachleszigen Vnd lasterhafftigen so ernstlich? Esz bleibt gewiszlich darbeÿ, so lange sie bleiben bei den heÿlsamen wortten Vnd beÿ der lehre nach der Gottseeligkeit, Vnd anhalten[altered] am Predigen, esz seÿe zue Rechten zeit, oder zur Vnzeitt, so lange gilt ihr binden Vnd lösen, so bald sie aber abgöttisch werden, Vnd Verführer des Volckhes, ist ihnen niemand mehr schuldig zue gehorchen # <right margin: # oder hett Vrsach fur ihren anathematis sich sehr zu furchten.>. Sondern da müeszen wir folgen dem trewen Rath oder vilmehr Gebott Gottes, Vnsers Heÿlandts: Gehet ausz von Ihnen mein Volckh, Vnd machet eüch nit theilhafftig ihrer Sünden. etc. Man wendet hier weiter ein, Christus sage gleichwol zue seinen Iüngern [letters deleted] super cathedram Mosis Omnia quæ dixerint vobis facite. Aber wasz dasz omnia heÿsze, erkhlerett leicht die Cathedra Mosis, dz ist, thuett allesz wasz sie Eüch lehren ausz Mose Vnd aus den Propheten, dan von dem anderen dasz sie ausz ihren traditionen, die sie selbst fleiszig observieret herfür brechten, heist es: Aber ihren werckhen folgett nit nach # <right margin: Dicunt enim et non faciunt>.   Vnd anderszwo warnet Christus ausztruckhlich, seine Iünger, dz sie sich hüetten sollen vor dem Sawerteÿg, dz ist, der lehre der Phariseer, Vnd Saducer, Matth. 16. disesz nun auff Vnsere zeitten zue applicieren, So lange die Römisch Chatholische Geschöpffe auff Petri stuel sitzen, Vnd Petri lehre füehren, so seindt ihnen ihre zuehörer in allen den stüeckhen, der lehre Petri, die sie füehren, zue gehorchen schuldig, obgleich ihr leben nit durch ausz dem selben[altered] gleichförmig were.   Wan sie aber ihren Sawerteÿg fürbringen, da hatt man billich vrsach sich darfür zue[altered] hüetten: da sie es aber nit leüden wollen, dasz man sich darfür hüette, Vnd sich deszen enthalte, da hat man ia Vrsach genug, dz man sich nur beÿ zeitten daran thue, damitt wir nit ihrer Sünden, Vnd der darauff folgenden Straffen theilhafftig werden: dasz dictum, si non audierit Ecclesiam etc. herett hier eigentlich nit her, dan darausz folget nit mehr, alsz dz man die so die trewhertzige vermahnung der [catchword: gantz:]
[36/4/61B]

gantzen gemeine zue wahren buesz vnd versöhnligkeit, muettwillig verachten, nit andersz alsz für heÿden Vnd Vnglaubige achten solle, Vnd kein andere kundtschafft, alsz, die mit der gleichen Persohnen zue haben pfleget, z mit ihnen halte: Keines weges aber, dz man in allen auch den Vnbillichsten dingen, Einig oder wenig menschen, die sich für die Regenten Vnd gevolmechstigste der gantzen gemein auszgeben, zue gehorchen schuldig, dan da heist es: Man mues Gott mehr gehorchen dan dem menschen. Der ander Spruch ausz Malach. 2. v. 7. giebett der Römischen Kirchen gar ein schlechtes patrocinium, esz wirdt in dem gantzen Capitel dz [word deleted] <volck> gantz nit angemahnet, dz sie ia fest an ihren lehrer Vnd Priestern hangen sollen. Sie lehren Vnd leben gleich wie sie wollen: Sondern da ist nichts, als eine ernste Straffpredigt, an die lehrer wegen ihrer renkhenheitt, Vnd boszheitt. denen saget der H: Geÿstt nit zue, dz ihre lippen die weiszheit bewahren werden, oder obgleich ihr hertz voller arglist, Vnd boszheit ist, Sondern in Sonsten <der Sagt> Ihr Ampt were gewesen, dasz sie solten die warheit bewahret haben, dasz man aus ihrem munde dz gesetz suchte: Welches die weil es nit geschehen, Sondern sie zue aller Gottlosigkeit Vnd Abgöttereÿ vrsach gewesen, drawet ihnen auch Gott so ernstlich, dz er beÿdesz meÿster Vnd Schueler ausz der hütten Iacob auszrotten wolle. Welchen fluech woll bedenckhen mögen, Vnd disz gantze Capitel wol behertzigen, die sich so leicht, anderer lehrer zue sein vermeszen, vnd von ihren groszen privilegijs nur stille schweigen. Negst diesen Sprüchen der Schrifft, pflegt man auch gewise rationes ein zue füehren, warumb die Protestierenden sich vergriffen zue haben scheinen, dz sie von der Römischen Kirchen so gantz Vnd gar abgewichen, [catchword: die:]
[36/4/62A]

die eine ist, die weil sie gleichwol alle fundamental articul, Christlicher Religion behellt, Vnd der dissensus nur in ettlichen abusibus vnd zwar ceremoniis seÿ, welche doch per aliquot secula per mansus gleichsam tradiieret sein, auch wol vermuettlich in der ersten Apostolischen Kirchen, mögen ihren Vrsprung gehabt haben,   Die ander ist, dasz wir gleichwol allesz wasz wir wiszen, von der Römischen Kirchen gelehret Vnd empfangen, Vnd dannenhero vnbillich thuen, dz wir mit einem offentlichen schismate sie also [verschienaffieren?].   Die erste belangendt, so hilfft dz die Römische Kürche nit, dz sie noch alle Articul sÿmboli Apostolia ia auch die Schrifft selbst hatt, wan sie nit beweüsen kan, dz sie dise rechte fundamental principia Religionis auch für solche heltt, dz sie aber solchesz gantz vnd gar nit thue, bedarff keines weitleiffigen Vntersuchensz.   Wie contemtim sie von der Schrifft, (die vnsz doch allein weüse machen kan zur Seeligkeit.) reden, bezeüget nichts beszer, alsz dasz vom herren P. angezogne desz Gottlosen münchesz Exempel. Wie sie aber auch den einigen grund der Religion Iesum Christum, alsz verkherte Vnverstendige Bawleüth verwerffen, in dehme sie ihme intercessionem Virginis Matris, opera super erogationis sanctorum an die seÿten setzen: scheinet so klar ausz ihren schrifften, Vnd sind der orter so vil, dz man sie nit alle zehlen kan: wer lust hatt mit solchen stinckhenden Abgottischen [Hosentis?] sich melancholisch zue machen, der lese desz hochgelehrten Vsseri Archiepiscopi Armachani, tractatum contra Iesuitam quendam Hibernum Tit. [de?] Invocatione Sanctorum da er derselben eine grosze menge bona fide et summo cum iudicio, aus den Vornembsten Bòbstischen scribenten zusamen gelesen, finden wirdt. die Summa gehett dahin, wie ein Iesuiter Mendoza in seinem Viridario sacro et profano opere alioquin[altered] non in erudito, sagt: lib.2. prob.2. pag.20. Planius iam rem totam sine circuitione decido: Dico. Esto. Major sit Christi, quam Virginis apud DEVM [catchword: grat:]
[36/4/62B]

gratia et authoritas: tamen Beatam Virginem nonnunquam facilius moveri nostris precibus quàm Christum, proinde præsentius nobis esse aliquando Matris quam filij patrocinium. Solcher blasphemien ist auch der gantze Tertius tomus Electorum Sacrorum Aloyesij Nuarini quem in laudem Mariæ 6 scripsit. vol das ausz die beÿde erste Tomi Vnd andere seine scripta vil schöner observationen ex recondita antiquitate in sich haben. Wo nun eine Kürche solche verkherte abschewliche[umlaut on w] lehren offentlich füehrett, die selbe mit fewer Vnd schwerdt verfechtet, auch im geringsten keine warnung Vnd Vnderricht nicht annehmen[altered] will, wasz darff man zweifflen, ob man solchen auch wol valedicieren möge. Sonderlich wan man von Ihr selbst auszgetrieben[altered from vszgetrieben] wirdt. Von welltlicher obrigkeit zwar wirdt den Vnderthanen gebotten, dasz sie sollen gehorchen nit allein den güetigen Vnd gelinden herren, sondern auch den wunderlichen.   Aber in Geÿstlichen Vnd Kirchenstande, ists so fern, dz vnsz Gott zue einer blinden knechtischen gehorsamb obligieret, dasz er ausztruckhlich den Bischoffen Vndersaget, ne dominentur in [Clerum? altered] Domini. 1. Pet. 5. zuehöreren aber, wo die corrupteten vnd Tÿranneÿ vberhandt nemmet, dz Exite, so treülich inculcieret.   Wasz man de Antiquitate tradtionum rituum et ceremoniarum, deren sich die Römische Kirche gebraucht, fürwendet, Ist solchesz nit magni momenti, wundere mich zum offtern, wie auch welche leüthe durch diszesz Gorgoneum caput antiquitatis sich so bestürzet kennen machen laszen; Kan dasz blosze nomen antiquitatis alles gutt machen, so ist kein kezer, der nicht seine gröszeste Irthumb darausz defendieren kenne. Ebion Vnd Cerinthus seindt ia lange vor den Collysidianis gewesen, qui primitus[altered] B. Virgini Mariæ singularem cultum exhibuerunt, teste Epiphareo Heresi. 79. haben wir ia so groszen lust an der antiquitet warum bleiben wir nit beÿ dem aller òltesten, nemblich [catchword: dem]
[36/4/63A]

dem Wortte Gottes: dasz ist die Regel vnser Religion, Vnd wo dz nit hinreÿchet da heiszet es: Consuetudo, sine veritate vetustas erroris est wie Cypreanus wohl sagett: Ep. 34. haben die von den Aposteln selbst fundierte kirchen vil in Vbung gebracht, welches doch von den Aposteln expresse nit ist gebotten worden, so haben sie ia entweder vbel daran gethan, oder ia vnsz ein Exempel Christlicher freüheit hinterlaszen, da wir in dem Ienigen wasz die Apostel nit expresse determinieret, dz ienige erwöhlen mögen, wasz zur erbawung am bequemsten scheinet, Gewisz von ihr Exempel in disem fall zur nothwendigen annehmung ihrer rituum Vnsz gantz vnd gar nit obligieren, Vnd posito, dz ihre satzung so weis Vnd guett gewest were, dasz sie für allen anderen anzunehmen wirdig gewest were.   Woher wiszen wir dz die satzung so darfür vszgeben werden, dieser oder Iener Kirchen eÿgen gewesen, oder von der Apostel tradition her Vrsprung habe. Esz ist ia nit Vnbekant wie vil man den Aposteln in folgenden zeitten angedichtett[altered], welchesz ihnen niemalsz in den Sün gekommen. Ia wie nachderhand vil lugenhaffte miracula erdacht, die heÿden pio isto dole, (wie sie es nenneten) revera maxime impio ad Christianismum[altered] zue bewegen, wie solchesz Casaubon in seinem [Exercitit.? altered] Eccles: Vnd andere gnugsam erweüsen, So stehen wir es auch heütiges tages wie vil böse gebreüche sich so Vnversehensz in die Kirchen Gottes einschleichen, Vnd gleich wie staub auch die besten constitutiones besudlen, welches man nit eher gewahr wirdt, alsz wan mansz mit hònden greiffen kan, keineszwegsz aber den ersten anfang davon andeuten kan, welcher in der alten kirchen auch nit hatt fehlen kenden, So bald man die herliche Gabe Vnd frewheit der Propheceÿung entweder durch nachleszigkeit fahren laszen, oder durch Tÿranneÿ [catchword: Vnter]
[36/4/63B]

Vnterdruckhet: da man keine Altisten die selbst tüchtig[altered] zue lehren weren, gelitten, sondern hier Vnd da ein fastioser Episcopus dz kirchen Regiment allein sich angemaszet, Vnd gnug vermeint, wan er biszweilen zum Volckh pompatice declamierete, obsz gleich wenig oder nichts von den grunden Christlicher Religion Vnterrichtet, kein mittel auch gehabt durch privat oder offentliche conferentz aus seiner Vnwiszenheit sich vsz zue helffen, Esz seÿe ihme aber wie ihme wolle, wir finden nirgendts in den Apostelschrifften dasz sie vnsz auf ihre traditiones weüsen, Sondern vff ihre Schrifft Vnd Predigt, davon sagt Paulus, Ich dürffte nit etwasz reden, esz seÿe dan dz es Christus in mir wirckhet: Wo er aber de suo etwasz herfür bringett, da setzet er auch bald hinzue, Ego, non Dominus, eo ipso innuens[altered], dz wir durch sein bloszesz judicium oder tradition andersz nit verobligieret, alsz so ferne wir es noch gelegenheit der zeit, Vnd anderer Vnbestònden nutzlich befinden[altered]. So vielauff dasz erste argument contra discessum nostrorum â papatu. dasz ander kan einem Rhetori mehr guettes thuen, dan einem serio desputatori, Iener hette hier gutte gelegenheit auch den locum communem de ingratitudine zue fallen. Vnd selben more vulgari aufs höchste zue exaggerieren ob er ihn gleich vix aliqua specie ad hypothesi transferieren könte, dieser aber mues nit mit solchen argumenten auffgezogen kommen, die die affecten etwasz turbieren, Sondern die den Verstand convincieren, welche aber hir gar nit zue wegen zu bringen sein, so wol wz dz jus alsz auch dz factum, oder Logice zue reden, propæsitionem <#> <left margin: # Syllogismi> et assumtionem angehet, dan dz jus rei oder causæ fundamentum ist gantz falsch. dan ia niemand durch einiges beneficium [catchword: ver:]
[36/4/64A]

verbunden wirdt, eine injuriam die Vnseglich vil gröszer ist vsz zue stehen, Sondern esz ist ihme von Gott vnd der Natur, vergonnet, obgleich keine Rache, dennoch enthlichung Vnd erledigung seiner solchen vbel zue suchen. Nun kommen ia die Papisten, sie exaggerieren ihre wolthaten auch so hoch sie wollen, keine fürbringen die werth were, dz wir darumb Vnserer Seelen Seeligkeit, durch lenger approbation, ihrer abschewlichen Abgöttereÿ solten, nur ihr reputation Vnd fleischliche sicherheit zue erhalten, in gefahr setzen. Dz factum, deszen sie sich rüehmen mochten, ist auch nit gewiszer; die einige wolthat der sie sich in specie zue ruehmen Vnterfangen dörffen, ist dasz wir die Schrifft haben, welche wir alsz ein spolium ex servitute Egÿptiaca davon gebrachtt, Aber ich meine sie mögen sich ia Rüehmen, dasz wir die Bibel von Ihnen haben, wer hat sie wol lesen dürffen, so lang wir vnter [sie?] gewesen, alsz etwan etliche müeszige mönche, Vnd wenig Privat Persohnen, die etwas lateÿn verstanden.   Esz verdreüst sie genug, dasz wir sie offentlich <Vnndt> so freÿ in allen sprachen lesen mögen, haben esz auch nit ihrem guetten willen sondern der Vnwiszenheit der superiorum seculorum, da der tausente Vnder den Clericis weder Hebreisch noch Grichisch, verstanden zue danckhen. davon gewisz wahr ist, wasz: Vives de libris Mathematicis observieret, daszelbige allein mit so wenigen [modis?] ad posteros transmitterieret worden dz [irg?] weil dasz ignavum pecus Monachorum so wenig Verstand darin gehabt. Hetten die Vorige Pòbste, zue der zeitt, da niemand nach der Bibel fragte, sonderlich obscuro et infami illo seculo decimo, zuevor sehen kennen, wievil Vnglückh ihren Reich darnach herausz entstehen wurde, Sie wurden gewisz den Iesuitern die mühe benommen haben, den Textum [catchword: sacræ]
[36/4/64B]

sacræ scripturæ so schandtloseer weüse, zue interpolieren, wie sie esz ia recenti versione Pertica Novi Testamenti gethan, Auch zuevor den Author versionis Hebraicæ N.T. hier Vnd da angefangen, wie solches der Gottesfürchtige[altered], sprachkündige Theologus Ludovicus de Dieu Amicus noster, in notis <ad> N. T. Vnd anderszwo gnugsam erwiesen. So haben wir auch wan wirsz recht besehen, die warheit der heÿligen[altered] Schrifft von niemand weniger, dan von der Römischen kirchen, die warheit des Hebraischen Texts haben wir sonderlich den Iuden zue danckhen, dz Griechische aber, so wol desz Alten alsz des Newen Testaments, vil mehr der Griechischen kirchen, alsz der Lateÿnischen: wie dan noch fur wenig Iahren der Patriarcha Alexandrinus dasz incomparabile manuscriptum Biblicorum, 70. Interpultum, <#> <left margin: # manibus ipsius Theclæ exararum> welchesz lenger dar vor 1200. Iahren geschrieben worden, dem Könige in Engellandt zugeschickht, welches auch cura doctissismi Viri Patricij[altered] Iunij in gantz kurtzem ansz licht kommen wirdt, Vnd die biszherige Editionen, an gar vilen orten gantz schamrott machen; die vulgata versio Latina ist vngewisz ob sie ausz der Römischen kirchen her kommen, dan sie schon lang zuevor im schwange gewesen, ehe die Römische kirch den primatum ihr arrogieren dürffen. Aber sie seÿ[altered], von wannen sie seÿ, so ist sie <nicht> magni momenti Vnd können sie gar leicht entbehren. Sintemal wir ietzo Gottlob, vil beszere Versiones als selbige ist, haben. Wasz ich aber nun noch der lenge in Vnderschidlichen Puncten alhier auszgefüehret, wil ich nit dz weder der herr, oder iemander andersz, deuten solle als ob ich fürsetzlich Herren P. <mich> zue [word deleted] <opponieren> gemeinet gewesen, keines wegs. der H hat meine meinung vber solche [catchword: Vnd:]
[36/4/65A]

Vnnd dergleichen Puncten begehrett, Ich habe auch selbige lang zuevor + <top margin: + ehe ich H. P. schreiben gesehen> mit mir reholvieret <#> <right margin: # revolvierett> gehabt, nun aber aller erst, quia aliquanto plus otij mihi superfuit candide et sine fruo, dieselbige eröffnet. dasz ich aber dz geringste [word deleted]<einigliche> von Herren P. ausz seinem trewen discours Vnd klage vber die corruptatas Vnserer kirchen suspicieren solte, sit so ferne, dz ich ihme wegen seiner Vnparteÿligkeit in Religionssachen desto höher æstimiere.   Ich bin den Ienigen keiner, qui in huius vel illius secta verba jurant, sondern wo ich die warheit finde, da nehme ich sie auff, So bin ich auch keinem wegen seiner opinion günstiger oder feinder. wo ich ware Gottesforcht, tugendt, geschickhlichkeit gewahr werde, da weisz ich dz ich schuldig bin, solche zue lieben, Vnd pro merito zue achten. Für dz vbrige mag ein Ieglicher Gott dem herren, dem Gott der geÿster alles fleisches rechenschafft geben. Quilibet Domino suo stat vel cadit.   Esz seÿ einer Papistisch oder werde Papistisch, <#> <right margin: # (nam esti Papismum non tamen sine discrimine Papistas <odi> quippe quorum plures pietate et eruditione Protestantium vulgo longe antecedunt, fenuntque quæ mutare non possunt)> so er nur gottselig Vnd redlich bleibett, so werde ich meine affection gegen ihme wol niemahl verendren.   Esz ist mir genug dz ich nur freÿ sein Vnd mein Gewiszen mit keinen menschen sazungen beschweren darff; Wan ein orth inficieret ist, ob gleich nit alle sterben, die darin wohnen mueszen sie doch alle den todt fürchten aufs wenigste mit vil groszerem vngemah, alsz andere in der freÿen Reinen lufft lebend[altered from lebenden]. Vnd ist dies meine bestòndige meinung, dz, wer Gott im geÿst Vnd in der warheit zue dienen wünschet, derselbe, ie irgend einen orth lieber, alsz da desz Pabstumb stink <right margin: Arictè> getrieben wirdt, erwehlen möge   Wasz endtlich H P. von meiner speculation de pacificatione, vrtheilett, ist wol alzue wahr, dz die praxis derselben nit zue hoffen, Aber disesz zue zeigen, war [liebden?] mein furnehmster zweckh: wurde esz auch [catchword: mit]
[36/4/65B]

Mit mehrerem gethan haben, wan ich damahlen, mehr zeitt vbrig gehabt hette, Meine meinung ist noch, dasz wan man eine warhafftige universal pacification zue wegen zue bringen gedenckhet, so müesze man auch solche universal media darzu gebrauchen, oder dz werckh nur bleiben laszen, damit anstadt desz friedensz, nit gröszere Vnruhe angerichtet werde, Vnderdeszen ehe die gemuethen allenhalben gnugsam præparieret, (welchesz aber doch nit geschehen kan, sie seÿen dan in allen stückhen himlischer Vnd Irdischer weiszheit ehrfahrener gemacht.) ists genug wan eine Secte von der anderen nur mutuam tale rantiam erlangen, Vnd dem Vnversohnlichen hasz, damit eine vff die andere entbrandt ist, in etwasz stillen kan.   Wil aber auch diszes nit angehen, mues ein Ieglicher sich mit gedult faszen, Vnd wan ia die wüetende, tobende Pfaffen nit wollen, er doch mitt<TRANS SWITCH="3"></TRANS> Iedermann<TRANS SWITCH="4"></TRANS> dem<TRANS SWITCH="1"></TRANS> frieden<TRANS SWITCH="2"></TRANS> nachtrage[altered], Vnd sich befleisze, dasz sein hertz durch die liebe fest gebawet, Vnd gegründet werde, damit er gefullet werde, mit allerleÿ Göttlicher fülle. De pancarpium Authore nihil aliud addere licet, quam dolere me ex animo, Tanti operis successum tam in feliciter et sufflaminatum, desto mehr müeszen wir fleisz anwenden, wie wir die andere, die solche universalwerckh urgieren, desto beszer befürderen konnen. damit vnsz der ostentierte grosze Schatz sapientæ universalis nit gantz Vnd gar ausz handen gehe. Hæc erant, quæ prioribus Domini. P. literis <pcipue> scribenda mihi suggerebantur