The Hartlib Papers

Title:Religious Tract, Part 1, Poehmer, In German & Latin
Dating:1638-1639
Ref:36/4/45/A-55B
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               HochgeEhrter Herr H.
Ob ich zwar von Vnderschidlichen stuckhen ietzo dem herrn schreiben kente, so kan Ich doch nit füriber, für allen dingen dasz ienige, so mir der herr ausz herren P. iüngstem schreiben communicieret, wegen wichtigkeit der sachen etwasz weittleffiger desz herren begehren nach, zue beantworten. Vnd zwar zue forderst, bedancke Ich mich gegen herren P. dienstfreindtlich, so wol desz grueszesz, alsz auch, dasz er meine freÿheit im schreiben nit vbel vffgenohmmen,. Bitte höchstlich, der herr wolle Ihm meinetwegen hie wieder zum freindtlichsten salution. Die Puncten aber selbst, so mir der herr fürgestellet, anreichend werde Ich vmb bester vermeidung aller confusion, <#> <right margin: # zu erst> die[altered] Theologica[altered] hernehmen Vnd so mir so vil zeit wirdt vbrig gelaszen werden, hernachmahl vff die andere stuckh kommen. Dan ob esz wol meiner profession (die in weltlichen Vnd Politischen dingen allzeit[altered] mehr occupieret gewesen) nit allerdingsz gemesz mich in Theologischen sachen zue vertieffen, der gewiszheit in denselbigen, nichtsz liebersz, alsz dasz ich die gewehnliche Epistolares garritus[altered] gegen dem herren darinnen fürnemlich zu bringen: Zue mahl die weil ich vilfeltig mit groszem nutz entweder desz herren selbst, oder anderer Verstendiger Leutte meinung vber Vnterschidliche meine dubia hirdurch erfahren, aufsz wenigste mich selbst nit wenig durch freÿre[altered] auszschüttung viler Vnruhiger gedanckhen erquickhett.
Anfangsz nun erinnert herr P. sehr woll wegen nottwendigkeit dem Vberhandnehmenden Atheismo, so vil müglichen widerstand zue thuen. Sintemahl wo diesesz monstrum Platz findet; kein Glaube, Liebe, trew, ia auch keine rechtschaffne Tapfferkeit bei den leütten [catchword: zue:]
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zue hoffen, Vnd ist mit der societet die dasz aller kròfftigste bundes, der Religion beraubet, gewisz mit ehestem geschehen: Wie nötig esz aber ist, sowol sich selbst von solcher muetwilligen blindheit zue bewahren alsz auch an anderen so damit behafftet die augen zu eröffnen[altered], so gar schwer ist dieses lezte. Ienes zwar lest sich leicht thuen, Von einem ieglichern der auch nur an einem Erbaren moralischen Leben lust hatt, Vnd die warheit in allen dingen zue suechen Vnd an zue nehmen begehret; Sintemahl, solchen leütten wan sie sehen, wie wunderbahr es in der wellt daher gehet, dasz die Gottlosen im höchsten glückh, die frombsten aber offtmahlen in schwerstem Elend schweben, alsz dan sage Ich, pflegt ihnen wol zue zeütten eine schwermüetige gedanckhe, wegen der Regierung, darumb aber nicht, wegen der selbstandigkeit Gottesz in den Sünn zue kommen.   Ia ich weisz nicht, ob ein moraler <one word deleted>, warheitbegihriger Vnd liebender Mann, einmahl probabiliter saltem & rationaliter, beÿ sich zweifflen kenne, ob ein Gott seÿ. Dan sihet er sich nur selbst an Vnd gestehet dasz er warhafftig seÿ, Vnd dasz eine Seele in Ihme seÿ (dan diesesz ob es wol einem lecherlich dunckhen solte daran zue zweifeln, helt es doch der Fürtreffliche Vnd fast incomparabilis Mathematicus, Mounsieur des Cartes, in seinem discours, de la Methode pour bien conduire sa raisone für dasz erste Vnd höchste cognitionis humanæ[altered] principium, Vnd lehret die erfahrung, dasz in groszer melancholeÿ die leüte sich einbilden, dasz sie Todt, oder dasz sie thiere[altered] sein,) wan er hernach weiter fortgehet Vnd sehett, wie Vil fürtrefflicher Er ist alsz alle Thier, oder einigesz dinge, [catchword: so:]
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so Er vmb sich sihet, ia wie er alle dinge nach seinem gefallen vbermeÿstern kan, Vnd so vil vnd wunderliche werckhe erfinden, dergleichen kein Thier thuen kan, dan aber auch wieder zueruckh sihet, dasz er nur gleich wie andere lebendige fleischliche Irdische thiere[altered], zue einer gewiszen zeit seinen Anfang gehabt, Vnd ex utero matris herfürkommen, auch gleich Ihnen dem todt Vnd Vndergang Vnder worffen ist; So kan er, wegen desz ersten vrsprungs der mentschen gar leichtlich bei sich raciocinieren, dasz die ersten davon[altered] entweder sponte è terra instar herbarum aut quorundam [insectorum?] mueszen enasciert, oder von einem anderen keinstlichen meÿster formiert, è vi generandi[altered] et se in infinitum vsque propagandj begabett worden sein; Ienesz sihet er dasz es manifeste falsum seÿ, dan w wan esz einmahl geschehen were, warumb geschihets nit mehr, muesz also dasz lezte ohnfelbar sein. Dan eine æternam vicissitudinem ortus et interitus hominum, kan er sich <nicht> einmahl rationabiliter imaginiern Ia esz ist eine manifesta contradictio in adjecto, zue sagen, æternus ortus, si enim æternus non est ortus, si ortus, non est æternus, Vnd hat doch der Arme widerspenstige mensch, der dem superiori dilemmatj nicht weichen will, nichtsz andersz; meinesz wiszensz Vnd nachsinnes, dahin er confugieren kenne. Aber wieder vff dasz vorige zue kommen, wer gestehett, dasz die ersten mentschen von einem künstlichen Meÿster producieret Vnd formieret worden, der kan gar leicht abnehmen, dasz der selbige[altered] der einmahl solchesz kunststuckh bewiesen, vil herlicher alsz das selbe sein müesze, ia, so starckh dasz deszelbige <right margin: gantz Vnndt gar destruiren Vnnd> so offt esz von nöthen Vnd ihme gefòllig wieder machen kenne. # <right margin and bottom of page: Vnnd dannen her wurdig dasz man ihn furchte, Vnnd seine hoffnung auff ihn setze. Angesehen, dasz wie er ohn anfang, als der fur alle dinge anfang schon gewesen, also auch ohne ende seÿ vnnd also alleine, wehme er solch ein herliches vernunfftges wesen gegeben, auch die beharligkeit Vnnd Vollkommenheitt deszelben, als welches der Mensch alleine wunschett, mittheilen könne.> Sintemahl kein Ploszer sterblicher mensch iemalsz so weit kommen, dasz er ausz der erden oder einiger anderer materi, [catchword: einen:]
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einen menschen hette herfür bringen kennen, sondern er muesz sich nur desz medij generationis darzue gebrauchen, darzue er aber doch nit mehr dan ein Samen[altered] beÿ dem Samen thuen kan, den er in die erden wirfet. wan zue dieser ratiocination nun kommet, die consentiens generis humani opinio welchesz alle zeit, Vnd an allen orten offentlich bekant, dasz ein Gott sey, Vnd dasz man Ihne verehren müesze, wirdt dieselbige dardurch desto mehr bekròfftiget; Sintemahl ia nicht zue vermuethen, dasz eben zweene oder 3. Vnd zwar nit die frömbste[altered] leütte, so etwan hie oder da assertores Atheismus gewesen, Vnd auch nur in medio seculorum gelebet, mehr gewiszheit hieran solten gehabt haben, alsz die Vhralte, welche, wie sie dem ersten Anfang der[altered from den] Mentschen[altered] naher gewesen, also haben sie ia von der warheit deszelben, Vnd also von der Existentz Gottes mehr gewiszheit haben kennen. welche dan die warheit diesesz axiomatis ieder zeit einmütiglich bekandt. Zwar ist dasz judicium multidinis particularis sehr betrüeglich, alsz welches auff einesz einigen menschen geticht offtmal beruehet, der consensus generis humani aber alsz welcher gemeiniglich auf vnwiedertreiblichen et <one word deleted> et cognatis nobis notionibus communibus ([formissimis?] ex Herberti sententia demonstrandj principiis.) bestehett, niemalhsz[altered] in wind zue schlagen. Ia in diesem fall dörfte ich fast sicherer halten, cum omnibus errare quam vnius alteriusque probabilem tantum sententiam sequi. Ich wil nit leügnen, beÿdesz, dasz man noch andere viele gründe fürbringen, Vnd dan dasz man wider diese zweÿ obangezogne pro vera alicuius Numinis existentia et debito cultu, deren der eine ab ortu et Excellentia hominis, der andere à communi opinione genommen, nit vilfeltig cavillieren kenne. Aber solchen Poszenreiszern ist nit werth zue andtworten viri gravis sanè et veritatis amantis non est in re adeò seria, nugos agere; So melde ich auch diesesz, nur alsz mittel, dardurch [catchword: ein:]
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ein Ieglicher Christ solchen Vnter zeiten aufpeigenden Atheistischen gedanckhen, durch gueten gegensatz fürbeügen kennen Vnd so vil müglich von solcher befleckgung seiner Seelen sich rein behalten. Welchesz wan esz die obangezogne grunde nit thuen kennen, Ich zweifle, ob kein einige fast starckh gnug darzue seÿe,. Keinesz wegesz <Aber> alszob ich hoffte, dasz hisce auditis, alszbalden die atheisten in Christen solten verwandelt werden, dan ich halte esz seÿe die müehe nur vbel angewandt, die man zue persuaderierung solcher fürsetzlich blinden leütten anwendet, dan wie kan esz andersz alsz eine fürsetzliche verstockhung Vnd blindheit sein, alsz dasz leignen, welchesz einem seine vernunfft vberzeiget: Vnd welchesz der vnvffhörenden begürde seiner Seelen, so gantz Vnd gar zue wieder ist. Gewisz so offt der mensch ein rigidum Examen einiger opinion fürnembdt, so thuet ersz ia fürnemlich vmb sein bestesz willen, damit er nemlich so entweder sein gemüth, von aller vnruhe desz zweifelsz befrewe, oder wegen einesz grossen guethesz, quod spei sua respondeat, Vnd dehme er hernachmahlsz desto hefftiger nachtrachten, oder wegen eines grossen Vnglückshs deme Er cognita veritate rej, desto beszer entgehen möge, versichert werde, Aber keinesz findet sich in opinione Atheismj, Erstlich, kan er diser proposition, non esse Deum, niemahlsz planè assertieren, sondern ad quamvis levissimam exorbitantiam vellicierett; ihn sein gewiszen alsobalden[altered], mit diser erinnerung adesse deum vindicem, der donner Vnd einiges Vngewitter erschreckht ihn, dasz er also keine Ruhe, wegen der warheit diser zweifelhafftigen proposition haben kan. esz seÿ[altered] dan dz er rationem ganz [word deleted] <#> <right margin: # [ejurire? altered]>; obruire, extinguere, et in numeram bestiarum reluctante tamen animo semet [transcribiere?].   Inszgemein wirdt disesz ein kenzeichen der warheit gehalten, dasz sie der mensch mit besonderer begürde[altered] einnembt[altered], Vnd warin ie lenger er sie besitzet, ie mehr sich frewet; Aber dasz [catchword: glückh:]
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glückh kan vnser Atheus nit haben, wo er sich nur ein wenig selbst, oder die dinge vmb sich herumb ansihet, da wirdt alszbalden sein gemüth rebellisch, schildt, Vnd naget ihm deszwegen, dasz er dennoch den Schöpffer aller dinge nit bekhennen will; da muesz er dan eine Artzneÿ von der Weinkamer, huren, Spil, oder ander eben so elenden avocamentis suchen, da mit ihme ia nur der vindex scelerum nit zu bekandt werde, Vnd habe ich diesesz beÿ Vnderschidlichen Atheisten observieret, dz ob sie gleich von ihrer monstrosen opinion vil Plaudern, dennach nit gerne leüden wollen, dasz man scharrff nach ihren gründen frage, oder seriò ponderosa argumenta vorbringe, gleichsam ob sie fürchteten, sie mochten vber verhoffen mehr warheit hören, alsz ihnen lieb were, gewisz habe ich noch mein[altered] lebtag keinen angetroffen, der einige docilitatem [one word deleted] <#> <left margin: hierin erwiesen>, oder nur gleich <wie in> anderen controversien argumenta seriò, pro et contra zue afferieren, hette erdulden wollen: Vnd sagt Verulam wol, dasz die Atheisten darumb so vil von ihrem monstro schwòtzen, gleich <als> ob sie in ihnen selbst in Ohnmacht fielen[altered], Vnd gerne wolten, durch andere mit einstimmung gestòrckht sein, Ia wan mansz beÿ [altered from im] licht besihet, ehren sie doch wider ihren willen ein fictitiam deitatem, wie mir dan ein Atheist bekandt, welcher, oben zwar den wahren Gott in terminis verleügnet, leügnet er doch nit das er den spiritum mundi (welcher gewisz nach seiner eignen ansprach pejore conditione quam quidam hominum est, in deme der mensch rationaliter operiren kann, dieser aber nur fataliter oder vil mehr casualiter wirckhen muesz) aliquo modo respectier. Kan also ein Atheist die begierdt[altered] desz zweifelsz, wegen der quæstion, an[altered] sit DEVS vber haben zu sein, für gnugsame vrsach der [catchword: nega:]
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negativa[altered] anziehen, Sintemahl die affirmativa[altered] vil eher Vnd leichter gefunden wirdt, Vnd dannenher die negativa gewisz falsch, Vnd also grosze Vnruehe[altered] im menschlichen gemüeth vrsòcherin sein mues.   Wasz nutzen aber oder Frommen ein Atheist ausz diser opinion kan haben sehe ich nit; Seiner begürde der glückhseligkeit, Vnd hoffnung desz guetten, welchesz doch den mentschen fürnemlich angebohren, kan er ia alsz dan mit nichtsz nit fallen.
Dan wasz ist vmb ihn, dasz nit geringer seÿ alsz er selbst? Was vbel kan er aber nit fluchen durch die verleügnung Gottes? Dardurch lebet er ia nit lenger, oder wirdt erfahrner? Ia er beraubet sich aller rechten vertrewligkeit, Vnd anmutigkeit mentschlicher freindtschafft, dan wie darff er einigesz menschen auf höchstem aÿdschwur trawen, der beÿ sich festiglich <helt,> dz kein Gott seÿ, Vnd dannenhero, alle zeit suspicieren muesz, dasz[altered] auch villeicht andere diese opinion haben, aber sich solche nit wollen merckhen laszen, Vnd derentwegen wan esz ihnen gelieben wirdt, ihn eben so leicht, alsz ers anderen tanquam omni [polnæmetu?] liber, zu zeiten zue thun Pfleget, betriegen kenden.
Ich dannenhero heraus gnugsam ab zue nehmen, dasz der Atheismus gantz nit seÿ eine, â sana ratione profecta, sondern ganz irrationalis et violenta opinio Vnd wirdt sich in acriori examine huius portenti, befinden, dasz es vil mehr in dem munde, alsz in dem hertzen schwebe, laut der schrifft, welche von Gottlosen saget, Er spreche in seinem hertzen[altered], esz seÿ kein Gott, dz ist, er wunschet, Vnd wolte esz were kein Gott, darff aber nit darauff trawen esz seÿe kein Gott. Esz ist vilmehr eine affectata oblivio Dei, quam certa, et indubitata (quippe quæ impossibilis) eius abnegatio. Welche auch von solchen leütten fovieret wirdt, die etwan eine [catchword: schröck:]
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schröckhliche vbelthat begangen, vnd nit andersz[altered] ihrem gewiszen Ruhe finden kenne, alsz das sie dem Richter[altered] so vile ihnen trüglich vsz den augen lauffen, si hoc est effugere conspectum cuncta cernentis, oculos Maiestati eius vndique se ostentantj ultrò occludere: oder die irgend einen Irdischen grossen zweckh in Ehren, Reichtumb, heurath, ihnen fürsezen, aber nit anders alsz durch Vnrechtmeszige media darzue gelangen können, Vnd also Gott lieben alsz das Idolum seines <#> <right margin: # ihres> willens verliehren wollen; oder aber die Iugend einiger ergötzlichkeit leibsz oder desz gemüths ganz vngehindert zugenieszen ihnen fürnehmen, Vnd derenthalben, lieben alle gedanckhen von Gott hindan sezen, dan mit den [Vnanmuetegen?] præceptis Christianæ religionis sich Plagen wollen. In dieser dreÿer[altered from dreÿen] Classen eines wirdt man gewisz die heutigen Newen Atheisten finden, die gelehrten Kallmeüserischen Atheisten sonderlich in der lezten, alsz welche ihre heÿdnische Condition Vnd das Audium deroselben so hochahchten, dz ehe sie laborioso culta divino et nonnunquam inamoeno ihrer speculationes Vnd eritici sinos sich wolten versawren laszen, Gott lieber mit seinem himmel fahren laszen, den teüffel aber Vnd die hölle Vnderdesz nit fürchten. Welchesz bosesz fürhaben den auf die lònge den menschen also verhòrtet, dz er ihme in seinem Errore gar wol gefellett, Vnd meinet er habe gar die lautere warheit.   Solchen Vnd dergleichen leütten nun, die muethwillig Gott nit kriegen wollen, ist sehr schwer zue vberreden, dz ein Gott seÿ. Ia esz ist nur vergebensz, dasz man sich damit bemüehet; dan warumb sol man einen solclches zue bezeügen, <sich> bemuehen, welches er sich vorgesezet nit zue wiszen, wil weniger zu glauben wollen, wer solchen menschen wider zu rechte zu bringen gedenckht, [catchword: der]
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der muesz hir nit erst anfangen, Vnd mitt eim hauffen Syllogismus ihn impugnieren, solche wirdt er auszzulachen, genugsam materi haben, man mues sich zuevor arte aliqua erkundigen, ex qua radice dieser Atheismus beÿ Ihme auff gewachsen, Vnd wasz er vor ein Idolam mentale anstadt desz wahren Gottes veneriere, kan man Ihme dasz verleÿten, Vnd zue nicht machen, so wirdt schon ein gueter weg zue erkandtnusz Vnd annehmung des waahren Gottes, bei Ihme gebahnet, im widrigen fall, wirdt alle disputier müehe verlohren sein, Esz seÿ dan dz Gott der H. durch schwere heimsuchung, solchesz menschen, oder durch andere wege, ihn errette ausz den stricken des Teuffels, darin er gefangen ist. Sonsz ob ich wol vngereimbt achte, zue convincierung eines Atheisten sprüch ausz der bibel anzuziehen, so halte ich doch zue curirung eines solchen menschen nit gantz Vnd gar Vndienlich, solchen menschen zue lesung Göttlichs wortts (ob [ersz?] gleich anfang nur für Fabeln schezen solte.) an zulockhen. Ich erinnere mich dasz ich für vihlen Iahren in vita Francisci Iunij ab ipso conscripta, et Paulo[altered] [deletion] <right margin: Merula> edita Anno 1599. gelesen, dasz ihn nichtsz so sehr ex torpore[altered] Atheismi darin er viel Iahr gesteckhet, ermuntert alsz dz erste Capitel Evangelij Iohannis darauff er gleichsam casu, gerathen; die Maÿestett[altered] der sachen hab ihm so grosz gedaucht, dasz er sich nit einbilden konde, dasz sie von einem blossen menschen herkommen, Sondern von einer hohern alsz menschen, nemlich dem wahren Gott. Welchem er von der zeit an sine ulla eiusmodi [one word deleted] <#> <right margin: dubitatione> gefurchtet. Vnd zu seinem dienstfasz von der zeit an sich consecriret hatt. die histori ist alda weitleffiger zue lesen, diesesz nun möchte einen wol thöricht dauckhen aber wir mueszen wiszen, dz es Gott gefallen, auch durch die thörichte Predigt die menschen seelig <zu> machen. Vnd gleich wies einer bekantes recht, einer zweifelhafftig machet, wan er gar zu fleiszigen beweisz daran für zu bringen gedenckhet, Vnd gleich wie die Scythen so lange sie alsz Ihren Knechten alsz Soldaten wider stunden, scharpffen [catchword: wied:]
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wiederstand der selben empfunden, so bald sie aber relictis armis die knuttel herfür bringten, Vnd dadurch sie ihrer vorigen[altered] dienstbarkeit erinnerten, [uiegen?] sie sie alszbald in die flucht, Si vera sunt quæ Herodotus et Iustinus memorant; Also scheinets auch, verfange esz bei solchen menschen mehr wan er die Maÿestetische Expression darin sich Gott selbst den Menschenkinderen Erschreibet, Vnd sie zue seinem gehorsam iure suo bindet, selbst lieset, alsz wan ihn ein ander mit Spitzfindigen philosophemantis ex scriptura aut natura petitis fatigiret. Vnd so vil seÿ gesagt, Von den mitteln Vnd grunden, dardurch meines weniger achtensz, ein ieglicher der warheit liebhaber, wo ia anderen den Atheismum[altered] nicht auszreden[altered], Iedoch sein gemüeth, wider solche profane, vnd der menschlichen Natur, (alsz welche perpetuam sui conservationem[altered] zum höchsten wünschet, negato autem Deo nit einmahl hoffen darff.) widerwertigen gedanckhen befreÿen kenne, Allerhand cautiones Vnd brantwortung viler objectionem herbeÿ zue fügen, achte ich Vnnötig, weil ich hier nit ein gantzen tractatum darvon zu machen gesonnet Auch diese materi von andern weitleiffig genug h gehandelt ist. Aber in dieser materi mit herren P. vort zu fahren, ist freülich zue verwunderen, dasz vnsere grosze Rabbi, dise fundamental hypothesin nit beszer à cavillis Atheorum verwahret haben. Sondern ihrer gewohnheit nach, worin Sie einmahl vffgewachsen, Vnd niemahl in zweifel gezogen haben, da meinen sie esz geschehe ihnen grosz vnrecht, wan andere daran zweifeln. Aber disesz ist der nutz, frustillatæ non tantum Theologia sed[altered] prorsus <#> <left margin: # totius> Eruditionis. Nach deme man einmahl die stuckh menschlicher weiszheit, in ihre sÿstemata gleichsam alsz in so vil Quackhsalberbüchsen abgetheilet, Vnd also sie desz algemeinen spiritus, der dem gantzen corpori, leben, safft, Vnd Crafft geben, beraubet. [catchword: Ist]
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Ist desz zanckhensz Cavillerens Vnd lòsternsz kein masz, noch ende, da muesz in diser disciplin wahr sein, wasz in der ander manifestè falsch befunden wirdt, Ia vil sachen weist man nit wo man sie hin referieren soll. Muesz sie also entweder vnder dem koth, vieler[altered] Vnnützer zerstreweter Aphorismorum verborgen ligen laszen, oder mitt Alstedio, ich weisz nicht, wasz vor narrischen farragines[altered] artium et particulas systematum den gemeinen Vngestalten systematibus subjungiren[altered], welches ihme dan allein die confusion seiner Encyclopode gnugsam solte zue verstehen geben haben. Wo[altered] wir nit rechte universalprincipia die so wohl der Theologi alsz auch der philosophiæ allgemein sein, haben, Ist von Volstòndiger wiszenschafft einiges particular stuckhs fast gantsz keine hoffnung, gleich alsz wan einer, dz hertz, oder die lunge, oder einiges glied, einesz thieres welches er niemahls gesehen, noch so sehr durch spintisieret[altered], ia auch alle seine eÿgenschafften, etlicher maszen errathen konte, wurde er doch allezeÿt[altered] von dem rechten situ deszelben, in toto corpore, gantz vnd gar vngewisz sein müszen, (Sintemal ihme albereÿt einer disz der ander dasz einwenden kan.) bisz er endtlich solches, wie es naturaliter dem toto adhæriret gesehen. Vnd dan verstehet er dises leichter dan einiges anderes stuckh. Sintemal alszbalden seine Augen vberweisen ihn, Also ists auch mit der warheit: Hat einer eine particularem veritatem? da kan es nit fehlen, es wirdt ihme einer dises, dem ander ein andersz dargegen[altered] einwenden.
Mochten wir aber einmahl dz gantz sÿstema universalium et æternarum veritatum sehen, wurden wir der groszen defensionsmühe[altered] maisten theilsz vberhaben sein, sintemal die veritatis sich, nit andersz, alsz wie[altered] die steine im gewölbe einander vffhalten wurden. Herberti worte gefallen mir nit vbel, die er hieriber saget:   Cum mortalibus in summo isto verborum discrimine non jam ê cathedra rationibus svadeatur, sed ipsa etiam reluctante conscienta et sensu interno terroribus[altered] quibusdam ita ex- [catchword: tor:]
[36/4/50B]

torqueatur fides, ut omnes extra Ecclesiam suam, sive ignorantiæ sive Erroris ita rej sine facti, ut nulla vel mora vel quidem comperendinatione indulta, damnationem post hanc vitam subeant æternam; non est quò fugiat misera consternatorum turba, nisi immota quædam veritatis fundamenta ex consensu universali jaciantur, quæ in dubio quocunque sive Theologico sive philosophico consulo possint. [squiggle]
Bald darauff aber saget <er> dise klage Vnd warnung darzue. Purum interea est, quanta pertinacia infirmus mortalis, vel totas doctorum amplectitur sententias vel totas reijcit. et dum nullo ubi novit delecta fide quadam implicita seipsum misere involvens, Proprias impotens abnegat facultates, et cum ad terrores despiciendos non sit immo satis erecto, timet et odit: sed neque omni ex parte veræ sunt doctrinæ vulgares, neque omni ex parte falsa, nulla enim unquam fuit tam barbara sive Religio sive philsophia, cui sua non stetit veritas: quæ tamen si errorum admistione, ut solet, conspurcata fuerit, non aliter nitori restituenda est, quam per separationem e methodo nostrâ. Diesen seinen methodum zeiget er ia wol hier, wie wol zimlich obscure, more suo an. Wirdt aber schwerlich zue practicieren sein, ehe er mit seinem sÿntagmate notionum communium, damit er so offtmahlen drawet, herfür khome. Aber von solchen Vniversalibus principijs nur in der bloszen Theologi treümett den Theologis inszgemein gar wenig, Vnd dannenhero kennen sie auch den Atheis geschweige den anderen subtilern opponenten[altered] so wenig begegnen; Vnder allen sein die Papisten hierin am schlechtesten: Ia sie geben offentlichen anlasz gleichsam zum Atheismo. dan wer einmal seine vernunfft auffmuntert, Vnd die Narrenpossen[altered] etwasz freÿ ansihet, dardurch iederen den <ia darin man> Gott verehret, ia darausz man Gott selbsten machet, alsz ein stückhlein[altered] brotts. Ia das man die aller erschröckhlichste[altered from erschröckhste] scelera beÿ Gott durch geldt [auszahnen?] kenne. [squiggle] [catchword: Wan:]
[36/4/51A]

Wan er vber[umlaut on v] dasz sihet, wie alle ihre thuen nur auff weltliche Pracht, Reichtumb Vnd hochheit gerichtet, auch nit andersz alsz durch fewer vnd schwerdt, verfechtet wirdt, der mues entweder wo er gewiszenhafft ist, solches gottlosen hauffens vberdrüszig[umlaut on v] werden, Vnd eine begürde nach Gottseeliger gesellschafft erkennen: oder da er etwasz Ruchloser, entweder an Gott selbsten oder an seine[altered from seiner] Regierung, wortt Vnd willen zweifflen. Gewisz sehe ich nit, wie ein Papist, sana ratione, einem Atheisten seinen errorrem recht auszreden könne, dasz er nit die fürnembste gründe seiner eÿgnen Religion vber einen hauffen stosze; der circulus darin ihre eingebildete Authoritas Ecclesiæ herumb lauffet; sogar, bisz ihr auch der Schwindel ankompt, ist ia gar zu manifestus. Dasz [Campanellæ? altered] Atheismus[altered from Atheismum] triumphatus in lateinisch ist mir sehr gerüehmet worden, ich habe es auch einmal in discursu <transcursu> zue sehen bekommen habe aber seine argumenta nit notieren kennen, nur habe ich gesehen dasz er vil parerga mit hinein mische, die eigentlich nit zur sah sach gehören.   Die Socinianer solten ia wol billich scheinen etwasz beszere, Antagonisten z gegen dises monstrum zue sein. Aldieweil sie sich nur auff dasz blosze wort Gottes[altered from Gotts], Vnd dasz judicium sanæ rationis gründen. Vnd saget man Socinus habe in der stürmung seines haus einen tractatum contra Atheos, von ihme componiret, verlohren, welchen er so hoch gehalten, dasz er offtmahlen beteüeret er wolte dasz er <denselben> gerne mit seinem leben redimieret[altered] haben. Aber gleichwol ist die opinio de totali resolutione hominum impiorum (wie herr P. wol observieret.) nit ein geringer anlasz zum Atheismo. Ich finde aber das diese vnd dergleichen harte opiniones, nirgend anders herkomen alsz ausz diesem præsupposito, dz keiner auch in Religions sachen etwan an zu nehmen schuldig seÿe, er konne es dan mit seiner Vernunfft vollig begreiffen; welchesz principium dan so weit zwar guet ist, dz es einen warnet für Irthumb Vnd für gar zu groszer leicht- [catchword: gleu:]
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glaübigkeit. Ist auch dieses daran gewisz Vnd warhafftig, dz ein mensch durchaus nichts an zu nehmen schuldig seÿ, welches manifesté den principijs sanæ rationis widerstreitet, alsz: plura corpora in eodem posse esse loco, corpus unum (i.e. rem, essentiam, definitam circumscriptam.) in pluribus, imò in omnibus locis esse proszæs et sic infinitum esse: Panem in corpus humanum mutari, nulla apparente tamen corporis figurat, in anente verò panis. Vnd dergleichen.   Dise Vnd dergleichen contradictoria[altered] sage Ich, ist kein mensch schuldig an zue nehmen, Sintemal ein Ieder leicht wiszen kan, dasz solche nit von Gott, alsz welcher, der von Ihme selbst insitis <homini> novitijs[altered] veri et boni niemahls so offenbar zue widersprechen gemeinet; sondern von dem Vatter der lugen den teüffel herrühren, welchesz Vnverschemptheit so grosz ist, dasz er auch dem Sohn Gottes, die niederfallung[altered] Vnd anbettung seiner anmuethen darff dannenhero nit verwundern, das er auch solche absurditates den eÿteln menschenkindern, welche sich in die Reiche der welt, Vnd ihrer herrligkeit so sehr verliebett aufdringe. Da aber hergegen hieraus, das man sanæ rationi manifeste repugnantia adeòque semet ipsa evertentia keinesweges anzunehmen schuldig, alsz bald schlieszen wollte, alsz durffe man nur das allein wasz man solius rationis veribus penetriren kan, glauben, dz andere alles aber, wz sine plurimis sirupulis vnsz nit ein will tanquam falsum verwerffen vnd verdammen; wurde man sich gewisz hefftig betriegen, Vnd in progressu sapientæ gewaltig hinderen weil einer Vnd der ander selbiges nit strackhs begreiffen kan, kans drumb keiner thun. Ia solte es gleich ietzo nirgend wo einer thuen kennen, villeicht mag vber etliche wenig Iahr einer von Gott dem herren zue ergründung deszelben tüchtig gemachet werden, deszen macht ia in keinem dinge das keine contradictionem implicieret, limitieret ist. So wiszen wir vber das, das Gott der herr nit allein dem menschen leib Vnd Seele, Sondern auch den [catchword: Geist:]
[36/4/52A]

Geÿst gegeben, welcher dz einige gefòsz im menschen ist, so zue sagen, dasz den Geÿst Gottes empfahen, vnd durch ein wohnung vnd erleüchtung deszen, Göttliche <dinge> verstehen vnd dijudicieren kan. Vnd dannenhero werden auch dreierleÿ gattung leüte in der Schrifft gedacht, [Greek: sarkikoi, psychikoi, kai pneumatikoi]. die ersten seindt so ferne, von begreiffung vnd verstendtnisz himlischer dinge, dasz sie nit andersz dan für Gottes feinde gerechnet werden. die ander Sorte ob sie gleich ein guete Staffel höher ist, Vnd in Natürlichen dingen auch sehr weit penetrieren kan, hatt sie doch von Geÿstlichen de dingen in der Schrifft kein ander zeügnus, als dz sie nichts verstehet von dem wasz des Geÿstes Gottes ist, Esz ist ihr eine Torheit, Vnd kan es nit begreiffen. Nur von den letsten wirdt gesagt, dz der Geÿstliche mensch alles richtet, vnd wirdt doch von niemand gerichtet. Es kan aber keiner ein geÿstlicher mensch sein, er habe dan in sich den Geÿst Christi vnd Gottes, der da zeügnusz gibet vnseren geÿsste, das wir kinder Gottes seind. Vnd solte es nit in Geÿstlichen dingen, in welchen wir ohne Gottes sonderer offenbahrung gantz vnd gar blind sein, eine solche beschaffenheit haben, ists doch auch in Natürlichen dingen nicht[altered from nichts] andersz, da ist ia vberaus eine grosze vermeszenheitt, ein ding für ganz vngleüblich vnd vnwarhafft halten, weil wirsz eben alsbald nit genzlich verstehen. In den phenominis coelestibus kan ia der tubus opticus Galilæj oder auch vnsers Cufflers, vil controversias decidiren, welches vnsern Vorfahren absque hoc ad miniculo gantz vnmüglich gewesen. Vnd wurde solches noch mehr geschehen, wan M. des Cartes seine angegebne perspectiven konten verfertiget werden. Aber vff vnser propositum zue kommen, so dunckhet mich, die Socinianer stellen ihrem wachsztumb in erkentnisz himlischer dinge gar einen groszen obicem, in deme sie den usum nudum rationis so hoch spannen, dasz sie darüber dem licht desz Geÿstes [catchword: Got:]
[36/4/52B]

Gottes fast gantz keinen Raum geben, darumb dunckhet ihnen die poena æterna animabus improborum infligenda gar zu grosz, Et clementiæ divinæ minimè conveniens, darumb wollen sie in Christum lieber nur zue einem bloszszen menschen haben, die weil sie also bald nit begreiffen kenden, wie Christus konne Gottes <Sohn>, vnd doch sine principio temporis sein vnd dergleichen. Aber jenesz belangendt, die weil die Schrifft in specie de statu animarum post mortem et ultimum judicium nichts mehr bezeüget, alsz dasz die Gottlosen sollen gehen in dz ewige fewer, die gerechten aber in dz ewige leben.   Warumb bleibet man nit bei dieser einfalt, vnd fürchtet sich vor Gottes ernstem zorn Vnd straff, frewet sich aber in hoffnung der ewigen herrlichen belohnung. mues man darumb also balden, die weil vnser gemeine notitiæ intellectus die æquitatem suplicij Divini improbis destinati nit alszbald empfinden kennen, die vim deszelbigen gantz vnd gar enerviren, vnd den gottlosen allen zaumb ihrer gottlosigkeit[altered] auf einmal wegnehmen? Gewisz Ruchlose leütte fragen nit vil darnach, si post mortem prorsus amplius non sint, modò ne æternum ipsis malè sit. dasz aber Christi Gottheit, Vnd ewige geburth vom Vatter durch die Vernunfft nicht gantz vnd gar kan gefaszt werden ist kein wunder, esz were ia sonst nit ein so groszes geheimnus der Gottseeligkeit.   Christus saget ia selbst, dz er sich nit alszbald einem Ieden ohne Vnderscheÿd wil offenbahre, sondern nur denen, die Ihn zuevor schon von hertzen lieben, Vnd in solcher liebe beharren bis ansz ende; kente esz aber die blosze vernunfft auszrichten, so were disesz geheimnusz iedem vernünfftigen offenbahr, ia ie spizfindiger einer were, ie tieffer wissenschafft bekeme er darvon, deszen wir aber doch in der Schrifft, dz wiederspiel finden, alsz darin gesaget wirdt, dasz solche Geheimnus Gott verborgen habe den klugen vnd weüsen dieser wellt, Vnd habe es den Vnmündigen offenbahrt. Darumb man sich in [catchword: de:]
[36/4/53A]

determinirung solcher hohen sachen, wol vor zu sehen dasz man im geringsten von den wortten der Schrifft nit abweiche; Sondern lieber seine Vnwiszenheit darin beckhenne, alsz mit schleimiger decision fernerer gründtlicherer erkandtnusz der wahrheit sich beraube: Ich finde in allen diesen stuckhen, wan man sie einfeltig in den bloszen wortten der Schrifft ansiehet keine absurditeten, contradictionen vnd abschewlichewliche[umlaut on w] monstra consequentiarum alsz man ausz[altered] dem gemeinen Schuelgezanckh vnd barbaris terminis hierieber gar leicht elicieren kan;   Ich sehe aber ie mehr Vnd mehr dasz Gott in dem aller nottwendigsten nemlich in der Lehr von der Rechten verEhrung <#> <right margin: # seiner Vnndt seines Sohns Iesu Christi Vnnd von der vereinigung> vnser durch seinen geÿst mit ihme, den Menschen gnugsam instruiret habe also den, wo er alldz ienige, welchesz er gnugsam verstehen Vnd faszen kan, nur in waarem gehorsam zue [one word deleted] <vber?> gesonnen, Vnd darneben, vmb weitere erleichtung beÿ Gott dem herren mit gebett eüfrig anhellt, derselbe ihn in grober vnwiszenheit keinesz wegesz wirdt steckhen laszen, Vnd dieweil ich nit zweiffle dasz disesz allesz von den socinianern selbst berichet werde, weil ich zwar an ihrer endtlichen weiteren erleichtung in diesen hohen geheimnuszen, nit desperieren, auch keines weges wider rueffen, wasz ich von ihrem stricten exercitio[altered] pietatis gegen den H. offtmal gerüehmett, Vnder deszen aber von vilen ihren dogmatibus herren Duræi iudicium nit gantz Vnd gar improbieren, dz sie nemlich, carnalia noxia et falsa humani [cerebri?] commenta sein. Wer nun den ietzigen zuestand der Christlichen kirchen, die Ihren eüszerlichen confessionen Vnd glaubensz Articulen nach, noch ins so grosser Vngewiszheit Vnd zweifel steckhen mues, angesehen, dz die eine Sache, dasz gantz Vnd gar [viel?] in [one word deleted], wasz die ander so ernstlich verfechtet, Iede auch ihre eÿgne monstrosas et [catchword: para:]
[36/4/53B]

paradoxas opiniones fovieret, vnd durch dieselben gleichsamb alsz durch ihre differentiam specificam von anderen abgesonderet ist; Wer diesesz, sage ich, ernstlich betrachtet, der mues zwar nottwendig, mit nit geringer traurigkeit vberfallen werden, vnd vber die verstockhung Vnd Vnbesonnenheit der menschen sich gewaltig engsten[altered], Iedoch, meinesz wenigen erachtensz niemalsz so weit getrieben werden, dasz er weder an mügligkeit der auszfindng der Lehre heÿlsamen die nach der Gottseeligkeit ist, weder an völliger befridung seinesz gewiszensz, mitten Vnder den zanckhen, vnd streitten der Sectirischen Rotten, Vnd den iemerlichen digladiationibus[altered], seiner selbst eÿgnen Seele, vber[umlaut on v] solchen erbermlichen zuestandt gantz vnd gar verzweiflen darfte; Viel mehr hat ein ieglicher vrsach, dannenhero sich desto mehr zue ermuntern, vnd obgleich die gantze welltt sich einander in die haare fallen wolten, Vnd dasz Vnderste zue oben kheren, er doch sich bemüehen den friden, welchen die wellt nit geben kan in seinem hertzen zue erlangen, zuemahl weil so vil dran gelegen, dasz dasz hertze durch die gnaade fest werde: Vnnd allesz wasz nit ex fide, seu certa persuasione ist, von Gott für Sünde gerechnet wirdt. Sintemal Gott der herr, der vnsz nur so ferne liebett, so ferne wir ihm gleich sein, wo er nit alsz ein bestendiger, Vnwandelbahrer Gott, auch die bestendigkeit, Vnwandelbarigkeit, Vnd beharligkeit, in der warheit seinesz dienstes in vnsz findet, die versprochne belohnung desz Ewigen lebensz vnsz keinesz weges mit zue theilen schuldig. dasz vnsz aber gnugsame Mittel Vnser hertz für ihme zue stillen[altered], gegeben sein, lehret seine [catchword: ger:]
[36/4/54A]

gerechtigkeit die nichtsz vnmüglichesz[altered] von vnsz fordert, Vnd die er kein gesòtz gegeben, auch keine Sünde zuerechnet, der grund, der erfindung Ruhe Vnd friden Vnsersz gewiszens, ist die H. schrifft, die ist vnsz zue einer bestendigen Regel Vnd richtschnur vnsersz glaubens Vnd wandels gegeben, Solang vnsz die Vnverfelscht gelaszen wirdt, ist dem Vnnötigen Vnd Vngegründeten zweiffel desz menschlichen hertzen gar wol zue stewren[umlaut on w], wan esz sich nur dem Vnderricht der Schrifft gantz Vnd gar Vndergeben wil. Wir wollen ein Vnd die ander observation hieran mit wenigem besehen.   Zue erst müszen wir wol beÿ vnsz bedenckhen, wasz für eine Ruhe wir vnserem hertzen Vnd gewiszen eigentlich wünschen, ob wir nur begehren in Vnserem hertzen Vnnd Sinn, wegen einiger <etlicher> Religions[altered] Puncten, gantz Vnperturbieret, Vnnd mit dem geringsten <einigem> widerstrebenden gedanckhen im geringsten nichtt[altered] geplaget zue sein: oder ob wir resolvieret, ausz begierde warhafftiger gewiszheit in all vnserem glauben Vnd leben, vnsz Vndt alle Vnsere gefaste opinionen auff einmahl zue verleügnen, Sie alle mit einander dem fewer desz worttes Vnd Geÿsttes Gottes zue probieren hinzuegeben, mit gedultigem gemüth allesz verrauhen zue laszen, was die Probe nit halten will, ob esz gleich Vnserer Phantasÿ noch so angenehm, auch von dem gröszten theil der sichtbaren Kirchen für die aller laüterste[altered] warheit auszgerueffen sein solte: Nach deme Vnser finis wirdt beschaffen sein, darnach werden sich die media auch richten müeszen: Ists vnsz nur Vmb eine blossze Vngehinderte Ruhe Vnsersz gemüthsz zue thuen, Vnnd vmb eine geschwinde befreÿung von allem zweiffel, so ist kein bequemerer Vnnd kürtzerer weg darzu, alsz die Papistische Religion, cuius principium pincipiorum ist, [catchword: Glau:]
[36/4/54B]

Glauben wasz die Kürche glaubet, oder vilmehr nur sich selbst einbilden, Vnd gegen anderen sagen, dasz man so glaube: dan wie ists doch müglich, dasz ein Mensch einsz dingsz vergewiszert sein kenne, welchesz er doch nit einmahl verstehet, dasz esz seÿ, wasz, wie, oder wan esz seÿe. Nichtsz desto weniger ist desz menschen hertz so töricht, Vnd dringet sich vff dz zu glauben, nur damit Er mit vielem zweifflen sich nit plagen dörffe, welches Ihme doch wan esz ihme nur die geringste libertet solches zue examiniern, permittieren dorffte, Vnmüglich zue thuen fallen wurde. Aber die Ruhe, die einer durch solchen blinden glauben nur eine zeittlang erlanget, ist vielmehr für einen schröckhlichen Vnnd fleischlichen veterno zue halten, alsz für eine recht geÿstliche Ruehe. Vnd ein gewiszer Vorbotte, einer[altered] bald darauff folgenden schröckhlichen Vnruhe Vnnd qual, desz gewiszens, nit anders alsz der Vbermeszige Schlaff im Menschen, eine anzeigung sehr groszen Leibesschwacheit. Dan gewiesz die leütte die solche violentiam requiem ihrem gewiszen imperieret, Vnd allen darin scheinenden[altered] radijs dubitationum die fenster so vil möglich verstopffet, hernachmal, da vnversehensz, die straalen der Vnwiedertreüblichen warheit, vber verhoffen, hierin dringen, Vnd die molem tricarum et horribilium phantasmatum zue verzehren, oder aufs wenigste mit mancherleÿ farben zue confundieren anfangen, entweder ausz hasz Vnd Verdrusz disesz hertszenstreites, Vnd begürde, ihre vorige Ruhe zue continuiren gantz Vnd gar zue dem Atheismo hinfallen, oder aber, die weil sie der warheit nit wiederstreben kennen, doch auf, nach deme in solcher schröckhlichen ignorantz so viel Iahr sie gelebett, keinen gewiszen Vnd sicheren weg finden, sich gentzlich daraus ausz zue wickheln, aus [catchword: Furcht:]
[36/4/55A]

Furcht der zeitliche Straffe, damit die grausame Secte die ihrige in officio hellt, endtlich entweder in desperation gerathen, oder in solche Vnruhe, dasz sie vff keine weüse, es seye dan, dz sich Gott der H sonderlich ihrer erbarme, erledigett werden kennen. davon exempla an zu ziehen Vnnötig, weil solche niemand der Vnder den Papisten oder dergleichen blindgleubigen Secten gelebett, verborgen sein kennen. Wer aber Ruhe in seinem gewiszen nit anders, alsz nach erlangter Vnfelbarer gewiszheit, allesz deszen daran er zuvor gezweifelt, begehrett, der wirdt sich auch nit verdrieszen laszen, wegen so einesz herlichen guettes auch die darzue erforderte müeh vnd arbeit auszzustehen: Sintemal auch in der Schrifft ein scrutamini scripturas, et probate spiritus, utrum extro sint, omnia probate [two letters deleted] vnsz aufferleget wirdt, welchesz allesz nit durch geringe Vnlust Vnd Vnruhe geschehen kan. Welche aber doch in eine gewünschte Ruhe sich enden wirdt, wan er folgender gestalt mit dem Examine seines biszchen gefürchten glaubens zue werckhe gehet. 1. Fürsz Erste, muesz er von keinem Punct zu zweifflen anfangen, er habe dan zuevor etwasz gewiszes, darauff er sich khünlich verlaszen möge.   Wer sein hausz niderzureiszen gedenckhet, muesz sich zuevor vmb eine stelle vmbsehen, darin er vnderdeszen wohnen möge, dasz aller gewiszeste aber, in der Schrifft ausgetruckhteste, Vnnd von allen Secten bekandteste, ist die lehre von der Gottseeligkeit, oder die haltung der gebott Gottes, diese alle sindt meistentheilsz so klar Vnd deütlich beschrieben, dasz sie einem fleiszigen suecher nit enstehen kennen; Von Gottes Natur Vnd eigenschafften wirdt er auch dasz Ienige, wz zue haltung seiner gebott zue wiszen nöttig, auch gar deütlich darin beschrieben finden. Alsz dasz er seÿ, Vnd ein vergelten denen die ihn suechen, dasz er ein geÿst seÿ, dasz der Sohn Gottes seÿ kommen im fleische. Vnd vil andere mehr die kein einiger hæreticus offentlich in zweifel iemals hat ziehen dürffen.
2. Nachdeme Er aber dise gewisze stuckh von Gottes Naturwerckhen Vnd willen ausz der Schrifft auszgefunden muesz ersz bei der bloszen Theoria nit bleiben laszen, soll sondern weil diese alle [catchword: pract:]
[36/4/55B]

practicæ notitiæ sein, muesz er sie auch in der thatt zuevor recht üben, ehe er sie hernachmal zue seiner norma decidendarum plurium inutilium controversiarum gebrauchen. dan ohne vbung kan er sie nit einmal recht verstehen. ohne vbung deszelben kan er nit Gottes hulde Vnd gnaade, vil weniger deszelben extraordinari erleichtung Vnd die gaabe seines H. Geÿstes erlangen, der Vnsz in alle warheit leÿtet; Sintemal Christus sich dem nur offenbahret, der ihn liebett, <#> <left margin:> Ihn lieben aber ist seine gebott helten. Wer Gott liebett, der wirdt von Ihme erkandt 1. cor. 8. 3. nach gelegtem solchen gueten grund, mag er dan wol mit dem scharpfferen examine, der mehr zweifelhafftigen Puncten ein anfang machen, darin sich aber gar fleiszig vorsehen, dz er ia in keiner Secten verba iurire, sondern nach genawer zuesamenhaltung, der grunde desz wortts Gottes mit dem zweifelhafftigen Punct, da er beÿ sich selbst eine gnugsame solution desz fürstehenden nodi nit finden kan, ieglichen darüber hören, wz Sectirischen zue nahmen esz <er> auch immer habe, Vnd der warheit vmb ihr selbst willen, nit aber vmb desz Ienigen wegen, der sie auszredet, glauben: dz ist eine von den profunditatibus satanæ, dz er einer ieglichen Secten weisz machet, sie habe die warheit gantz Vnd gar allein, die anderen sindt voller Irthumb Vnd lügen, dardurch sind sie so vffeinander verbittert, Vnd [enzendet?]. Aber die Schrifft weis hier <von> nichts. die saget vnsz, dz Gott kein anseher der Persohn seie, wer Ihn fürchte Vnd recht thue der seie ihm angenehm; Gott sei der hohe Vnd der erhabne, der da wohnet in einem liechtt, dahin niemand kommen kan, Vnd nur bei zerschlagnen Vnd demütigen hertzen. Solche delitescieren nun allenthalben, Vnd hat derentwegen keine Secte zue ruehmen, dz sie nur allein fromb Vnd Gottsfürchtige leütte habe. [catchword: Wer:]
[continued at 36/4/56]