The Hartlib Papers

Title:Letter, Fulano To ?, & Memo In Hartlib'S Hand, In German, Latin & French
Dating:26 November 1635
Ref:36/2/1A-2B
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Edler, hochgeehrter, Groszgünstiger Herr vnd sehr werther freund. In langer zeit hat mich bej beharrlichem elenden zustande, nichts so hoch erfrewet, alsz sein, vnlengst ausz Londen, von dato 14. Octob. an mich abgangendes schreiben (.das darin gemeldte vorige ist mihr noch zur zeit nicht worden.) den ich darausz nicht allein sein recht aufrichtig gemüt, vnd bestòndige benevolentz gegen mihr, daran ich zwar niemalen zu zweifeln billige ursachen gehabt, überflüszig verstanden: sondern auch gleichsam eine grosze vnd vngezweifelte hoffnung geschöpft, Got habe den herren insonderheit erwehlt, dasz ich durch seine befürderung vnd vermittlung zu meinem lang gewünschten Scopo endlich einmal gelangen werde können. An bewusten ort, mich anzugeben, ist wegen deren vom herren hochvernünftig angedeuten vrsache, sonderlich bej dieser beschaffenheit, gantz nicht rathsam: bin auch ander gestalt nicht dahin bedacht gewest, alsz weil herr Grotius durch H. Gothof [redum?] mihr darauf deuten laszen. Vnd wen es schon seinen fortgang hette, wehre mihr doch nicht viel mit geholffen, Dann ich mich nur aufs new einrichten vnd profitendo die zeit zubringen müste. Mein desiderium aber ist dieses, dasz ich gantz vnd gar meine gedancken frej behalten, vnd einig vnd allein die zeit auf editionem bonorum autorum (.darin ich biszher vil jahr lang, mit groszer müh vnd arbeit, auch nit geringen vnkosten, ex optimis [quibusquam?] Philologis, neben meiner eignen vnd herrn Freinsheim sachen, die besten emendationes vnd animadversiones zusammen getragen.) anwenden möchte. Zu welchem thun ich ein solchen antrib des gemütes bej mihr befinde, dasz ich offtmals bej nacht nicht davor schlaffen kan, vnd mich selbst bejammere, dasz mihr das vermögen etwasz rechts vnd gutes zu thun, also gar benommen, vnd ich mit andern geringen liederlichen occupationibus die edle zeit, vnd noch wehrenden vigorem ætatis & ingenij, also musz verderben. Könte nu mein hochgeehrter groszgünstiger herr, angebotener maszen, intercedendo bej Herren Samuel Hartlieben (.deme Er mein trawwilligster dinst, observantz vnd grusz andeuten, darneben auch sich erkündigen wolle, ob vnd wie derselbig, weiland herrn [Poot?] Iohane Hartlieben, genandt Welsporn, gewestem sehr wol verdientem [Adveratus?] vnd Consiliario dieser Stadt, verwandt sej. Deszen Söhne ich vor etlich vnd 20 Iahren alsz præceptor privatus informiret[Hartlib? underlines].) irgend einen solchen Mæcenatem bekommen, hab was auspicijs ich meine Labores zu publiciren, wolte ich es für eine sonderbahre schickung gotes halten, auch eine solche gutthat publicè, zu seiner zeit, höchlich ruhmen. Mein erstes würde sejn (.wolte auch die erste dedication an meinen künftigen Mæcenatem richten) dasz ich den Svetonium absolvirte; solcher gestalt Causaboni Commentarius bliebe gantz dabej: ausz Beroaldo Terrentio vnd andern, nehme ich das vornemste vnd den succum, endlich thete ich meine aigene observationes vnd animadversiones, darzu, neben einem absolutissimo indice, der gleichsam ein lexicon Svetonianum ist, auf den schlag, wie nostri Freinshemij index in Florum. Weil schon vil jahr kein exemplar Svetoni Causaboni bej dem Bibliopolis verhanden, werde ich von Parisz vnd anderwerts vilfaltig vmb diese edition sollicitiret. Das andere wehre, (so mit vnd neben dem ersten wol kan fort gehen) Biblia politicorum, id est, Tacitus per Tacitum explicatus solcher gestald, der Tacitus ist in capita & versiculos, nicht andersz alsz die Bibell getheilet, die concordantzen oder parallela loca & se mutuo explicantia in margine, in groszer menge verzeichnet, auch ein index (auf die capita
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vnd versiculos sich richtend) daran gehenckt, welcher ein rechtes lexicon vnd instar Commentarij in Tacitum ist. Disz ist, Got lob, fertig vnd bejsammen, kündte morgen anfangen zu drucken, wen ich nur zeit vnd verlag hette. Wen diese zwej fertig, wolt ich mit gotes hülffe den Curtium, Villium, Sallustium &c adorniren, darzu die materia lengst bereit. Pachimerij historia Byzantina Græca cum versione & scholijs pridem etiam lucem expectat. Summa, ich wolte kein stunde fejren, vnd den rest meines lebensz mit groszem eÿfer vnd ernst auf solche editiones bonorum autorum legen.
Wan ich dieses verlags versichert wehre, so wolt ich mich aller andern geschòfft abthun, vnd diesem allein abwarten. Damit aber ein solcher Mæcenas desto leichter zu persvadiren, könte mein groszgünstiger herr, mit hülff H. Königsman, (der Ihr [Gnade?] dem hern Graf Filding, wie auch Herrn Wottonio, olim Legato Regio, iedem ein exemplar Flori Freinshemij eingebracht) verschaffen, dasz gemeldter Florus auf gewiesen würde. Den obschon Freinshem solches buch verfertiget, ist es doch meis auspicijs & subsidijs á me sappeditatis, geschehen, vnd würden volgende, geliebts Gott nicht schlechter sejn. Mein Iustinus wolt ich nicht gern, dasz er gewiesen würde, den solches meine erste arbeit, vnd wird erst in secunda editione weit beszer werden. Die versio systematis Copernicani ist von Parisz wol zu bekommen bej Mons Pelé, der hern Elzevir [factor?], dem ich 300. exemplar überschickt. Ich hoffe der herr kenne mich beszer, alsz das Er mirs solte fur ein vanam jactantiam et arrogantiam auszdeuten, wan ich unum et alterum judicium von sebiger version hiebejsetze, mit den verbis formalibus. Herr Gothofredus historiographus Regius, schreibt den 3/13 Iulij 1635, I'ay veu ces iours passez Mons. Grotius, qui vous honnore fort; et m'ayant monstré la traduction, que vous avez faict des derniers Oeuures de Galilæus, en faict gran cas, et souhaicte vous pouuoir seruir &c. Herr Ælius Diodatus aber schreibet folgendes vom 4/14 Iulij. Vostre traduction a fort bonne vente icy, & satisfaict grandement a touts: & Monsieur Grotius, au quel i'en ay donné un, la loue grandement. Le Sr Pelé libraire faict estat[altered from estate] d'en enuoyer en Holande, & en Angleterre, mais depuis la guerre, la transportation est fort dangereuse, a cause des Dunquerquois: c'est pourquoy il faut espier la commodité d'un passage asseuré, dont ie l'exhorteray qu'il prene soin, a fin que ce beau liure tant desiré, se voye par tout, et que l'honnour de vostre heureuse traduction vous soit rendu en diver lieux./
  Galilei apologia ist vor etlich tagen in mein hausz auch gedruckt
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worden, kan aber wegen vnsicherheit nirgend hin geschickt werden. Meinem herrn halt ich ein exemplar auff, dasz will Ihme ich, zusamt dem indice in das Christenthumb, so herdurch mihr zugestellt, überschicken wan vnd wohin ersz begehret.
Mit dem verlag erklòre ich mich fernersz so viel, dasz ich anderer gestald solchen nicht begehre, alsz zug gegen zug, wie man saget, id est, der jenige Kaufman bej dehme der wexel alhir bestelt würde, soll anderer gestalt mir nichts erlegen, Er sehe dan die arbeit. In summa ligt alles nur an dehm, vt persvadeas illis tuis, me esse virum bonum, id est, der für sich selbst gewiszenhafft, vnd sein brot nicht mit sünden vnd müsziggang zu eszen begehret. Kans mehr nicht sein, so erlang mihr der herr nur zu einem eintzigen wercke den verlag, ea lege, dasz ich mit exemplarien die sumtus refundirte, oder de restituendo genugsam caution præstirte Könte es aber eine libera pensio & sine conditione sejn, so würde ich das werck mit desto gröszerem muth vnd frewden angreifen. Will alles, meines hochgeehrten herrn vnd hochgeliebten herrn günstiger anordnung vnd discretion heimgestellet, vnd nur disz einige erinnert haben, Beneficium qui cito dat, bis dat Die zeit vnsersz lebens ist ohne das kurz, wolt nicht gern eine stunde verseumen. Aliquid dat qui cito negat. Wan die hoffnung was zu erhalten schlecht, bitt ich auch solches mich günstig zu berichten, Wills einen weg alsz den andren fur eine gutthat halten. Meine liebe angehörige sambtlich laszen meinen herren, nicht weniger Nobiliss. & verè Generosum illum tuum Eremitam, neben mir zum dinstfreundlichsten grüszen. Gottes gnòdigen schutz vnsz samtlichen befehlend/ Dat Straszburg 16/26 Novemb. 1635.
     Des herrn dinstgehorsamer trewwilligster so lang
                         ich lebe
                                   Fulano
[following paragraph struck through by H, possibly as an introductory flourish to his footnote]
     Hiebej ein schreiben an herrn Königsman dehn ich freundlich grüszen lasze, [Greek word] noster schickt auch ein brif, zweifelsz ohn voll guter schmeckh. Meine hern commensales laszen den herrn vnd [Iunckhern?] auch fleiszig grüszen.
[H:]
     Er wolle auch gedencken des Unam Lexici Homoioteleutici Græci, da man die Vocabula nit a Principio sondern à fine
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suchet, quæ res ingentem sed hactenus incognitum commoditatem habit. Den alle Vocabula in ihre Classes digeriret vnd die Grammaticæ Regulæ pro rubricis bey vnder [gattung?] oben an stehen. Non dubito cum applausu doctorum hunc laborem exceptum iri. Ist schon alles verhanden, wie mein H. selbsten gesehen. Fehlet [nur? blotted] die extrema linea welche zugleich mit der presz furgeth.